Foto: 123RF
Ein junger Mann, mit drei Rosen in der Hand, verehrt eine junge Frau, die davon nicht angetan ist.

Die Grenze zwischen Anhimmeln und Stalken

Es kann angenehm sein, angehimmelt zu werden: Man bekommt Wertschätzung und Zuneigung. Das schmeichelt und tut dem Selbstwertgefühl gut. Dies muss aber nicht heißen, dass diese Gefühle erwidert werden. Der andere kann auch „nur“ gemocht oder sympathisch gefunden werden. Mag. Julia Erlach rät hier, Klarheit zu schaffen... Sie ist Beraterin im Kontakt- und Kommunikationszentrum KOKO in Salzburg und weiß: „Wenn Liebe einseitig ist, muss dies klar und unmissverständlich kommuniziert werden – um keine falschen Hoffnungen zu wecken. Man könnte etwa sagen: 'Ich habe kein Interesse und daran wird sich auch nicht ändern.'“

Diese Zurückweisung kann ein freundschaftliches Verhältnis natürlich belasten und den anderen kränken. Mag. Erlach empfiehlt hier die Unterstützung aus dem Freundeskreis oder durch Experten der Beratungsstellen, denn: „Die oder der Betroffene kann einfühlsam und wertschätzend Klarheit schaffen, ist aber zum Trösten der falsche Ansprechpartner. Diese Form der Zuwendung könnte falsch interpretiert und Hoffnungen geschürt werden.“

Wurde klar gemacht, dass die Gefühle nicht erwidert werden, wird der andere sich in der Regel zurückziehen. „Wenn er oder sie es schafft, sich mit seinen oder ihren Gefühlen zurückzunehmen, kann auch ein freundschaftliches Verhältnis erreicht werden“, erklärt die Expertin. „Wenn er/sie es nicht schafft und hartnäckig versucht, weiter zu 'erobern', dann ist zu überlegen, ob man den Kontakt einschränken oder ganz abbrechen sollte, da in diesem Fall (freundschaftliche) Grenzen permanent überschritten würden.“

Wird auch diese Maßnahme nicht respektiert, ist Vorsicht geboten, denn der Übergang zum sogenannten Stalking ist fließend. Stalking bedeutet, dass man gegen den eigenen Willen kontinuierlich über Wochen oder Monate bedrängt oder belästigt wird. Der Stalker tut das einerseits, um eine Beziehung aufzunehmen, aber in vielen Fällen auch aus Rache: „Oft sind es ehemalige (gekränkte) Partner, die eine Zurückweisung nicht akzeptieren“, so Mag. Erlach. „Über 80% der Stalker sind männlich, über 80% der Opfer weiblich. Statistisch wird jede/r 10. einmal im Leben gestalkt.“ Wichtig sei es dann, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Wenn möglich, bevor Belastungssymptome wie Depressionen, Ängste, Schlafstörungen und körperliche Beschwerden auftreten.

In den österreichischen Familienberatungsstellen wird man über die Situation aufgeklärt und bekommt Tipps, wie man mit dieser Problematik umgehen soll – das entlastet  und hilft, sich abzugrenzen. „Wir raten Betroffenen, ein Stalking-Tagebuch zu führen und jede Aktion des Täters zu dokumentieren. Im straf- oder zivilrechtlichen Verfahren dient dies als Beweismittel“, erklärt die Beraterin. In einigen Beratungsstellen kann man sich bei einem Juristen über rechtliche Schritte, wie Strafanzeige, einstweilige Verfügung oder Unterlassungsklage informieren. Dabei ist es wichtig, dem Täter einmalig (wenn möglich vor Zeugen) mitzuteilen, dass kein weiterer Kontakt erwünscht ist. Sinnvoll ist eine schriftliche eingeschriebene Aufforderung.  „Wenn viele Personen des Umfeldes informiert sind, schwächt das die (oft psychisch kranken) Täter. Man sollte daher Familie, Freunde und Bekannte informieren und nicht davon ausgehen, dass der Stalker von alleine aufhört. Das ist sehr unwahrscheinlich“, so Mag. Erlach abschließend.