Ein Kind steht zwischen seinen Eltern, jeder Elternteil zerrt es an einem Arm.

Die gemeinsame Obsorge nach der Trennung

Für ein Kind bedeutet die Trennung der Eltern eine große Veränderung im Leben. Es muss akzeptieren, dass es nun mit einem Elternteil nicht mehr zusammenwohnen kann oder gar selbst den Wohnort wechseln muss. Eine Verunsicherung in seiner Beziehung zum nicht mehr im Haushalt lebenden Elternteil und daraus folgende Loyalitätskonflikte sind häufig die Folge.

Ein Ziel der Familienrechtsnovelle 2013 war es daher, Kindern nach einer Trennung  einen verlässlichen Kontakt zu beiden Elternteilen zu sichern. „Die Eltern haben bei Entscheidungen möglichst auf die Bedürfnisse des Kindes Bedacht zu nehmen und dürfen dessen Beziehung zum jeweils anderen Elternteil nicht beeinträchtigen“, zitiert Mag. Eva Heistracher, Partner- und Familienberaterin und Juristin in der Beratungsstelle der Erzdiözese Salzburg.

Die Novelle erhebt das „Kindeswohl“ zur obersten Maxime und konkretisiert nun in einem detaillierten Katalog, was genau darunter zu verstehen ist: z.B. sind sichere Bindungen des Kindes zu beiden Elternteilen und die Vermeidung von Loyalitätskonflikten nun als Kriterien des Kindeswohls im Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuch ABGB verankert. Die Expertin begrüßt, dass die Gesetzesnovelle das Kindeswohl in den Vordergrund rückt. Wenn Elternpaare nicht kooperieren können, können nicht verheilte Wunden aus ihrer Paarbeziehung eine Rolle spielen. Der Blick auf das Wohl ihrer Kinder hilft, auch in der Trennungssituation einen gemeinsamen Zielpunkt zu finden, der beiden wichtig ist und so Machtkonflikte zu vermeiden, betont Mag. Eva Heistracher.

Wird die Ehe oder die häusliche Gemeinschaft der Eltern aufgelöst, so bleibt eine bestehende Obsorge beider Eltern aufrecht. Die gemeinsame Obsorge ist somit der Regelfall. „Dabei kann jeder Elternteil weiterhin das Kind alleine vertreten und Alltagsentscheidungen für das Kind treffen. Natürlich kann die Schulwahl oder eine medizinische Frage zu einem Streitpunkt werden, doch dies passiert auch zwischen Eltern in aufrechter Ehe. Viel mehr Konfliktpotential steckt in den Fragen der künftigen Haushaltszugehörigkeit des Kindes, der Bestimmung seines hauptsächlichen Aufenthalts und damit verknüpfte Unterhaltsregelungen, die große finanzielle Auswirkungen haben können“, sagt die Juristin.

Wenn man keinen gemeinsamen Weg findet, sind die österreichischen Familienberatungsstellen eine gute Unterstützung: „Die Beraterinnen und Berater können dabei helfen, eine Trennung so zu gestalten, dass für alle Beteiligten akzeptable Wege gefunden werden“, erzählt Mag. Heistracher aus der Praxis. Eine Familienmediation bietet besondere Chancen, eine passende Lösung zu entwickeln, die die Handschrift beider Elternteile trägt.

Seit der Novelle 2013 gibt es für Eltern von nicht volljährigen Kindern eine verpflichtende Elternberatung. Sie bietet die Möglichkeit, wichtige Alltagsfragen nach der Scheidung zu erörtern, z.B. Wer ist wann bei welchem Elternteil? Wo haben die Kinder ihre persönlichen Sachen? Wie soll der Urlaub aussehen? Wie werden Weihnachten oder Geburtstag gefeiert? Dabei kann auch überlegt werden, wie die Kinder in diese Fragen einbezogen werden können, ohne ihnen die Verantwortung für diese Entscheidungen aufzubürden, denn diese bleibt nach wie vor bei den Eltern.