Mutter umarmt Tochter

Die Aufklärung über Aufklärung

Aufklärung geht weit über das Thema Sexualität hinaus. Vor allem die Kommunikationskultur und Beziehung zwischen Eltern und Jugendlichen ist ausschlaggebend für Gespräche.

„Sexualerziehung sollte ab der Geburt stattfinden.“, eröffnet Olaf Kapella, Diplomsozialpädagoge und Forschungskoordinator am Österreichischen Institut für Familienforschung, das Gespräch. Gemeint ist damit, dass bereits von Klein auf Offenheit, Vertrautheit und ein Bewusstsein des Heranwachsenden für Sinnesorgane und Gefühle geschaffen werden soll. Nur dadurch kann es möglich sein, auch in der Sexualität eigene Bedürfnisse, Spaß, etc. bewusst wahrzunehmen. Weiters erklärt Kapella: „Auch wenn Kinder erst im Kindergartenalter erste Fragen stellen – Werte und Einstellungen werden von  den Eltern auch schon früher durch ihr Verhalten und Reaktionen transportiert. Ganz deutlich sieht man das an der Art, wie Kinder sich später fragen trauen.“ In der allgemeinen Wahrnehmung geht es hingegen bei Aufklärung schnell um Genitalität, und Sex. Jedoch ist es notwendig, bereits als Kind ein grundsätzliches Verständnis und einen verantwortungsvollen Umgang mit Gefühlen, Körper etc. zu erlernen, um sich im Jugendlichenalter überhaupt ungezwungen ausdrücken zu können. „Hier geht es auch stark um die Sprache der Eltern.“, erzählt Kapella, „Verniedlichte Ausdrücke und drum herum reden, erschweren Kindern später sich auszudrücken und vermitteln ein verzerrtes Bild über Geschlechtsorgane und den Körper.“ Deswegen muss nicht gleich das Fachvokabular ausgepackt werden – von Glied und Scheide zu sprechen reicht auch. Denn dann erhalten diese Körperteile die selbe Wertigkeit wie Nase, Ohren, usw. und Kinder sind im Notfall gewappnet sich ausdrücken zu können bzw. sich jemanden anvertrauen zu können. „Wir kümmern uns vor allem um präventive Arbeit an Schulen.“, erzält Kapella. Hier gibt es verschiedene Modelle – die Einbindung der Eltern ist in jedem Fall wichtig und wünschenswert.

Aus der Erfahrung von Olaf Kapella wird ab dem Kindergartenalter angefangen zu hinterfragen, was es mit dem Babybauch auf sich hat. Dabei geht es weniger darum wie das Baby hineinkommt, als wie es dem Baby geht und wie es herauskommen wird. Das kann Kindern sehr schön erklärt werden.

Eine gute Gesprächskultur ist auch später ausschlaggebend dafür, ob sich Jugendliche mit ihren Fragen an Eltern wenden. „Wichtig dabei ist, nicht aus allen Wolken zu fallen, sondern auf Fragen einzugehen und sie zu beantworten.“, betont Kapella. Wenn die Tochter zB wissen will, wo sie die Pille bekommt,  antworten Eltern oft mit einer Gegenfrage, warum sie diese überhaupt braucht. Eine solche Reaktion, lässt die Tochter jedoch im Dunkeln und führt meist zu keinem weiteren oder vertiefendem Gespräch. „Die Frage kann im Anschluss immer noch gestellt werden. Zunächst sollte jedoch das Anliegen der/des Jugendlichen geklärt werden und Eltern sollten gerade in diesem Bereich jede Frage des Kindes als eine Chance sehen mit dem Kind / Jugendlichen ins Gespräch zu kommen.“

In jedem Fall sollten Eltern nicht darauf warten, bis Jugendliche mit Fragen zu ihnen kommen. Kapella rät: „Sie können den Jugendlichen ganz unverbindlich Angebote unterbreiten und etwas zu lesen, eine Sendung, eine Zeitschrift oder Internetseiten anbieten sowie signalisieren, dass sie offen für Fragen sind.“ Gleichzeitig muss es erlaubt sein, über die persönliche Sexualität nicht sprechen zu wollen. Aber auch im umgekehrten Fall – Eltern müssen einerseits nicht alles intimes und Privates wissen, andererseits dürfen sie aber auch ihre eigene Grenze ziehen, bei dem was sie dem Jugendlichen von sich erzählen möchten.

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