Schwangere Frau

Diagnose im Mutterleib – mein Kind hat eine Behinderung

Für manche werdenden Eltern ist es nicht vorstellbar, ein behindertes Kind groß zu ziehen. Doch an wen kann man sich wenden, um die richtige Entscheidung zu treffen?

Michaela Kaiser, Vorsitzende von ZOE – Beratungsstelle rund um Schwangerschaft und Geburt in Linz, berät mit ihrem Team unter anderem Paare mit einer Pränatal-Diagnose: „Am wichtigsten ist es, sich in einer solchen Situation von niemandem beeinflussen oder in eine bestimmte Richtung drängen zu lassen. Fällt man eine Entscheidung im Schock, kommt es häufig vor, dass die Eltern diese später bereuen.“ Die Betroffenen werden auch informiert und Diagnosen werden erklärt. „Am wichtigsten ist es, die Eltern aus dem Schockzustand herauszuführen und den Zeitdruck aus der Situation zu nehmen. Wir klären offene Fragen mit den Eltern und zeigen alle bestehenden Möglichkeiten auf.“, so Kaiser.

„Wie könnte unser Leben mit einem behinderten Kind aussehen?“, oder „Kenne ich überhaupt eine betroffene Familie?“ Das sind die Fragen, die man sich in so einer schwierigen Situation stellen sollte. Kaiser weiter: „Auch versuchen wir Kontakte mit betroffenen Familien herzustellen, damit sich unsere Klienten ein realistisches Bild von dem Leben mit einem behinderten Kind machen können. Ziel ist, sie emotional zu stabilisieren, damit sie in der Lage sind, eine für sie richtige Entscheidung zu treffen “

Schwierig ist es auch, wenn ein Elternteil eine andere Meinung über den Schwangerschaftsabbruch als sein Partner hat. Rechtlich liegt die Entscheidung alleine bei der Mutter. Auch bei dieser Problematik empfiehlt sich das Aufsuchen von qualifizierten und unabhängigen Beratungsstellen. Gesetzlich verordnet ist eine Beratung bei einem Schwangerschaftsabbruch allerdings nicht, diese ist aber auf jeden Fall empfehlenswert. „Wir unterstützen die Betroffenen. Egal, welche Entscheidung sie am Ende fällen.“, erklärt Kaiser.

Sollte es zu einem sogenannten „Spätabbruch“ einer Schwangerschaft (um die 20. Schwangerschaftswoche) kommen, ist dies jedoch nicht nur eine moralisch schwierige und umstrittene Frage, sondern auch eine äußerst hohe Belastung für alle Beteiligten. Wird in Österreich eine Behinderung des Fötus festgestellt, ist ein Schwangerschaftsabbruch übrigens bis zum Einsetzen der Wehen straffrei. Es ist jedoch jedem Arzt freigestellt, ob er diesen Eingriff auch durchführt. Man kann auch in „Trauergruppen“, die von verschiedenen Beratungsstellen organisiert werden, Hilfe und Unterstützung finden.