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Mutter haltet traurige Tochter

Der leibliche Vater kümmert sich nicht …

In den meisten Fällen beschließen Paare gemeinsam Eltern zu werden und gründen mit den besten Vorsätzen eine Familie. Bei Trennungen sind diese Vorsätze meist auf einmal wie weggeblasen. Oft sind keine konstruktiven Gespräche mehr möglich und es herrscht Funkstille. Leider geht diese Situation oft zulasten der Kinder – es kann sogar so weit gehen, dass sich ein Elternteil kaum mehr um die Kinder kümmert. Meist ist es der Vater.

In diesen Zeiten des emotionalen Aufruhrs stellen sich Mütter häufig die Frage: Braucht mein Kind den Vater überhaupt? „Das Wichtigste ist, seinem Nachwuchs zu erklären, dass es nichts dafür kann und diese Trennung eine Sache zwischen Mama und Papa ist“, sagt Mag. Natascha Almeder, Leiterin der Familienberatungsstelle der Gesellschaft für ganzheitliche Förderung und Therapie NÖ GmbH in Neulengbach (www.gfgf.at). In den meisten Fällen wollen die Väter sich sehr wohl um ihr Kind kümmern, und auch das Kind hat ein Recht auf seinen Vater.

Und der Vater ist für die Entwicklung eines Kindes essentiell. Also: ja, es braucht den Vater! In manchen Dingen können andere männliche Bezugspersonen Funktionen eines Vaters übernehmen: Etwa wenn es darum geht, Konflikte zwischen Mutter und Kind zu mindern. Aber andererseits ist der Vater auch – ziemlich unabhängig davon, wie die reale Beziehung zu ihm bisher ausgesehen hat – ein Liebesobjekt, einfach weil er der Papa ist. Und als dieser bleibt er auch (zumindest) unbewusst das ganze Leben des Kindes in ihm lebendig.

Aufgrund der vielen Verletzungen und Enttäuschungen handeln Eltern in Zeiten der Trennung und Scheidung oftmals nicht so, wie es für die Entwicklung ihres Kindes förderlich wäre. Das passiert in diesen schwierigen Zeiten sehr vielen Eltern. „Hier kann es dann eben vorkommen, dass Väter sich verletzt zurück ziehen oder Mütter die Beziehung des Kindes zum Vater in Frage stellen“ erklärt Mag. Almeder. Die neue Gesetzeslage erschwert es den Eltern, ihren Impulsen nachzugeben und versucht zu verhindern, dass die Kinder den Kontakt zu einem Elternteil verlieren.

Sollte ein Kind dennoch aufgrund einer Trennung seinen Vater verlieren, rät die Expertin Müttern in solchen Fällen, das Bild des Vaters mit seinen positiven und negativen Eigenschaften so lebendig wie möglich aufrecht zu erhalten. Denn: Der Vater bleibt ohnehin immer im Herzen des Kindes.

Wenn sich alle Seiten wieder beruhigt haben, kann es manchmal sehr schwierig werden dem Kind zu erklären, dass der Vater es nicht so gemeint hat – er das Kind eigentlich doch die ganze Zeit lieb hatte. Der Trennungsschmerz und die Enttäuschungen können nicht ungeschehen gemacht werden. Für Kinder ist es auch entscheidend, immer wieder vermittelt zu bekommen, dass sie nichts zur Trennung beigetragen haben und auch nichts dagegen tun können. „Diese Dinge liegen in der Verantwortung der Eltern“ sagt Mag. Almeder. Man kann aber seinem Kind helfen, die Trennung der Eltern als Chance für bessere psychische Entwicklungsbedingungen zu nutzen, als z.B. in einem Konfliktmilieu aufzuwachsen, wo Eltern immer streiten und sich nicht mehr versöhnen. In den Familienberatungsstellen erhalten die Eltern Rat und Unterstützung für diese Fragen und Anliegen. Empfehlenswert sind hier auch „Rainbows“-Gruppen (oder andere Scheidungsgruppen), in denen Kindern geholfen wird, über die Trennungssituation zu reden. In solchen Einrichtungen sehen Kinder auch, dass sie nicht allein sind.