zwei Mädchen flüstern über ein drittes

Der Gruppe nicht verbunden?

Menschen sind grundsätzlich soziale „Wesen“. Im Lauf ihrer Entwicklung sind sie Mitglieder verschiedener Gruppen: z.B. Familie, Kindergarten, etc. Trotzdem gibt es immer wieder jene, die nicht so recht “dazugehören“. Außenseiter werden aber nicht nur von der Gruppe bestimmt – manche Menschen grenzen sich bewusst ab.

Bis zum Kindergartenalter haben Kinder üblicher Weise schon gewisse soziale Fähigkeiten von den Eltern gelernt. „In die Außenseiterrolle geraten meist jene, die aus verschiedenen Gründen (z.B. Schüchternheit) sich eher am Rand aufhalten, um einmal zu schauen. Umgekehrt können aber wildere Kinder, die dazu neigen Dinge kaputt zu machen, rasch auch abgelehnt werden.“, erklärt Mag. Ursula Dietersdorfer, Psychotherapeutin und Leiterin der Beratungsstelle der Wiener Kinderfreunde. Erwachsene sollten feinfühlig in gemeinsamen Gesprächen versuchen, das Thema Schüchternheit, Wildheit oder auch Anderssein hereinzuholen. Damit sollte es leichter sein, das Kind zu integrieren. Aussagen, wie: „Sei doch nicht so fad!“, sind fehl am Platz und können Kinder sogar noch stärker in die Rolle im Abseits drängen.

In der Volksschule bilden sich oft Buben- und Mädchengruppen mit unterschiedlichen Vorlieben (z.B.  materielle Dinge wie Sammelkarten oder Spielzeug), die das Zusammengehörigkeitsgefühl stärken. Kinder, die da nicht mithalten können, sehen sich schnell in einer Außenseiterrolle. „Hier sollten Erwachsene den Kindern Rückhalt signalisieren – im Sinn von Botschaften wie: Du bist auf jeden Fall wertvoll und nicht alles ist durch Geld käuflich!“ Oft schämen sich Kinder, weil sie nicht mithalten können und dadurch ausgeschlossen werden. „Sie sollen das Gefühl bekommen, abseits materieller Dinge auch mit dem eigenen Wesen überzeugen zu können.“, so Dietersdorfer. Ein guter Schritt wäre das Gespräch mit Eltern und Kindern zu suchen. Oft verstehen und akzeptieren sie die Umstände dann auch. Möglicherweise dreht sich die Situation sogar um, und die Gruppe verteidigt „den/die Andere/n“ oder lernt, dass Selbstwert nicht käuflich ist.

„Ab dem Jugendlichen-Alter ist die Gruppenzugehörigkeit besonders wichtig.“, so Dietersdorfer. Jugendliche grenzen sich gegenüber dem Umfeld (Eltern, Lehrer, etc.) ab und haben ein starkes Wir-Gefühl. Durch den raschen Entwicklungsschub entsteht positive und negative Energie. Dadurch richten sie sich möglicher Weise auch gröber und härter gegen Außenseiter, wenn es kein regulierendes Umfeld gibt, das rechtzeitig eingreift. Dietersdorfer: „Die Gruppe definiert eigene Regeln – wer sich nicht daran hält, ist schnell ausgeschlossen.“ Abseits von Schwarz und Weiß gibt es aber auch jene, die mit den Ausgeschlossenen mitfühlen. Aus Angst selber ausgeschlossen zu werden, trauen sie sich oft nicht darüber zu reden. „Hier ist es wichtig zu signalisieren, dass jemand da ist (z.B.   vertrauensvolle Erwachsene wie Lehrer/innen oder professionelle Beratung für Jugendliche auch per Internet) an den/die sie sich wenden können.“, so Dietersdorfer. Eltern von „Außenseitern“ sollten jedoch nicht sofort an einen Schulwechsel denken. Dietersdorfer: „Durch offene Gespräche können Gründe für Rückzug und Ausschluss erfragt werden. Oft fühlen sich Jugendliche in der Gruppe einfach nicht wohl und wollen von sich aus mit den Schulkollegen nichts zu tun haben.“ In anderen Gruppen könnten solche Jugendliche vielleicht eher Akzeptanz finden und auch eine ganz andere Position einnehmen. Falls doch ein Schulwechsel angestrebt wird, ist es ratsam sich unterschiedliche Schulen anzuschauen und zu versuchen das jeweilige „Flair“ einzufangen. Für die Entwicklung und das Selbstwertgefühl spielt das Umfeld, in dem der/die Jugendliche aufwächst, eine ganz bedeutsame Rolle.

„Viele Jugendliche ziehen sich für eine Zeit lang zurück und werden besonders für Eltern unzugänglich. Wenn diese Phase jedoch länger anhält und sehr extrem ausfällt, so sollten Eltern diese Eindrücke ernst nehmen und nicht übergehen.“, rät Dietersdorfer. Wenn Jugendliche zu depressivem Verhalten neigen und Eltern keinen Zugang finden, ist es ratsam zunächst mit dem Umfeld ins Gespräch zu kommen. Falls sich die Sorgen bestätigen, sollten Eltern professionelle Hilfe einholen.

„Kinder und Jugendliche können aushalten, dass es Verschiedenheit gibt – ganz besonders wenn es Vorbilder gibt, die ihnen das vorleben!“, so Dietersdorfer. Gelebte Toleranz sollte daher in der Erziehung ein zentraler Punkt sein.