Mann braucht Auszeit

Depressionen in der Familie

Wenn sich ein Familienmitglied immer mehr von seiner Umwelt zurückzieht, müde, gereizt oder antriebslos erscheint, an Schlafstörungen, Konzentrationsproblemen, Interessenverlust oder Freudlosigkeit leidet und körperliche Beschwerden hat können das Anzeichen einer Depression sein. Dr. Gabriele Paar, Ärztin für Allgemeinmedizin, psychosoziale, psychosomatische und psychotherapeutische Medizin und Beraterin bei Netzwerk Familienkompetenz rät in einem solchen Fall den Hausarzt aufzusuchen, der die betreffende Person meist gut kennt, um die Diagnose zu stellen und sonstige Grunderkrankungen auszuschließen. Außerdem kann er eine antidepressive medikamentöse Therapie einleiten, wenn sich das als notwendig erweist und der Patient damit einverstanden ist.“ 

Obwohl Depressionen und Ängste zu den häufigsten Erkrankungen gehören, scheuen sich noch immer viele Menschen vor einem Arztbesuch. Vor allem Männer oder ältere Personen wollen diese Diagnose oft nicht wahrhaben. Sie sind es nicht gewohnt, mit ihren Sorgen oder Problemen Außenstehende zu behelligen. „Wer depressives Verhalten an einem Familienmitglied erkennt, soll dies auf jeden Fall thematisieren“, empfiehlt die Beraterin. Manchmal hilft es, über die körperliche Thematik den Betreffenden zu einem Arztbesuch zu bewegen. Psychosomatische Symptome wie Kopfschmerzen, Schwindelgefühl, Herzbeschwerden, Atemprobleme, Magen-Darmstörungen sowie Schmerzen unterschiedlichster Lokalisation können vorliegen. Grundsätzlich ist eine Depression eine Stoffwechselerkrankung, die auf einem Mangel an bestimmten Botenstoffen beruht und sehr gut behandelt werden kann. Für viele wird die Krankheit durch diese Erklärung leichter annehmbar und nicht als Verrücktheit abgetan“, so die Expertin.

Angehörige sind sehr oft verunsichert und überfordert mit der Situation. Hilfreich ist, wenn die Partnerin/der Partner für Gespräche zur Verfügung steht oder den Alltag organisiert. Unterstützung im Freundes- und Bekanntenkreis kann ebenso entlastend sein wie auch Hilfe von außen in Anspruch zu nehmen, besonders wenn es Kinder in der Familie gibt. Paar befürwortet es Kinder altersentsprechend über die Situation aufzuklären, mit zuversichtlichen Perspektiven für die Zukunft: „Mama/Papa geht es im Moment nicht gut, aber sie/er nimmt Hilfe in Anspruch und wird bald wieder gesund.“ Wenn möglich sollte der Alltag für sie wie gewohnt weitergehen. 

Das Wichtigste für Angehörige ist in dieser schwierigen Zeit gut auf sich selbst zu achten. Seinen Hobbys nachzugehen, regelmäßig zu essen und zu schlafen, seine Kontakte nach außen zu pflegen und auf eigene Freiräume zur Erholung zu achten; übrigens alles auch geeignete Maßnahmen um einer Depression vorzubeugen. 

Allen, die Hilfe und Informationen zu diesem Thema brauchen, stehen die Familienberatungsstellen in ganz Österreich kostenfrei zur Verfügung.