Polsterschlacht
Polsterschlacht

Corona-Blues: Stress muss reguliert werden

In außergewöhnlichen Zeiten wie diesen verspüren Menschen Stress. Das hat mit Ängsten, innerer Unruhe und Veränderungen zu tun – man muss lange erarbeitete, gewohnte Pfade verlassen. Ressourcen verknappen sich, Einstellungsänderungen sind gefragt. Was Stress in weiterer Folge auslöst, weiß Hannes Kolar, klinischer Psychologe und Leiter des Fachbereiches Psychischer Dienst und Inklusion bei der Kinder- und Jugendhilfe der Stadt Wien: „Wenn wir in eine Stresssituation kommen, wird Adrenalin und Cortisol ausgeschüttet. Wir sind quasi kampfbereit, handeln mehr aus Reflexen heraus, verlieren Kreativität und Geduld.“ Auch das Einfühlungsvermögen sei eingedämmt – ein Zustand, der in der momentanen Situation vor allem innerhalb von Familie wenig hilfreich ist …“

Doch es gibt Möglichkeiten, zu regulieren. „Man muss den Stress anschauen, das ist das Wichtigste. Ihn benennen und spürbar machen. Das geht etwa mit einem sogenannten Stressregler.“ Dieser funktioniert so: Man bastelt oder zeichnet einen Streifen, der eine Skala von eins bis zehn anzeigt – mit einer Büroklammer wird dann der eigene Pegel markiert. „Das kann man anlassbezogen machen. Also etwa, wenn ein Kind zu viel Aufgaben hat, könnte es anzeigen, dass das bis hin zur Acht stresst“, so der Experte. Dies sei ein Signal für alle anderen – aber auch für sich selbst.

Dann gilt es herauszufinden, wie man gegensteuern kann. Primär mit allem, was einem gut tut. Musik mit Kopfhörern, ein Spaziergang im Freien. Hannes Kolar hat noch spezielle Tipps: „Atmen Sie dreimal tief ein und aus. Das beruhigt schnell. Auch ein guter Geruch, der an schöne Erlebnisse erinnert, kann hilfreich sein.“ Kinder könne man ebenfalls positiv auf einen wohltuenden Duft konditionieren, indem man ihnen etwa Massagen mit jenem Öl anbietet. 

Die Kampfbereitschaft, die sich durch Stress ergibt, könne man bei Kindern auch durch wohnungstaugliche Aktivitäten bedienen. So empfiehlt der Psychologe etwa Polsterschlachten oder ein Gefecht mit Schwimmnudeln – hier sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt.

Das intensive Zusammensein mit Pubertierenden kann sich ebenfalls als besondere Herausforderung erweisen. Auch hier konkrete Tipps von Kolar: Versuchen Sie, etwas Gemeinsames zu entwickeln, ein Videogame miteinander zu spielen, zu kochen oder körperliche Aktivität.“ Auch Aufgaben, die dem Leben wieder Sinn geben, können motivierend wirken: Telefonkontakt mit Verwandten etwa, die schon älter sind und nicht aus dem Haus dürfen.

Sollten Sie über Ihre Probleme in der Covid-19 belasteten Zeit mit einem Profi sprechen wollen, so können Sie sich online oder telefonisch bei einer Familienberatungsstelle melden.