Klassenzimmer, Kinder unterschiedliche Kulturen

Bunte Klasse

Ein Kind, das sich entfalten möchte, braucht Vertrauen, Unterstützung und Erwachsene, die es ernst nehmen und vorleben, wie in der Gemeinschaft miteinander respektvoll umgegangen wird – und das unabhängig von Herkunft, Kultur oder Religion.

Kinder sind noch nicht so stark wie Erwachsene durch soziale Prozesse geprägt und urteilen eher nur nach Sympathie. Sie lassen sich eher von ihren Emotionen leiten, handeln viel schneller solidarisch und spontaner und sind noch nicht in Regeln und Normen gefangen wie Erwachsene. In diesen Eigenschaften sollten sie unterstützt werden – offen zu bleiben und nicht a priori nach Kriterien von Erwachsenen, wie Sprache oder Herkunft, zu differenzieren. „Kinder werden stark von zu Hause beeinflusst. Wenn sie dazu ermutigt werden, offen zu bleiben, neugierig zu sein und Anderssein oder Fremdsein nicht als Bedrohung zu erleben, wirkt sich das positiv auf das Verhalten in der Schule aus. Nicht selten kommt jedoch auch negativer Einfluss von zu Hause.“, erzählt Judith Hanser, Psychotherapeutin und Supervisorin beim Verein Miteinander Lernen: „Wenn Eltern negativ auf Kontakt mit Kindern aus Familien, deren Eltern aus anderen Ländern kommen reagieren, zeigt das genauso Wirkung.“

Nicht nur das Elternhaus ist relevant

„Nicht selten kommt es in Schulen zu rassistischen Übergriffen. Der Grund dafür: Präventive Arbeit steht bei Schulen zu sehr im Hintergrund. Die Schule ist gefordert, wie auch die Eltern zu Hause, Auseinandersetzungen zu begleiten und Kindern Werkzeuge in die Hand legen.“, erzählt Hanser. Neue Schulformen stärken den Stellenwert der Schule – vor allem in erzieherischen Fragen. „Dort, wo die Herkunft der Kinder stark durchmischt ist, ist eine klare ,Schulkultur’ wichtig. Ein Schulprofil, dem sich nicht nur Lehrer, Eltern und Schüler verpflichten, sondern es auch leben, wäre dafür geeignet.“, so Hanser. Ein offenes Zusammensein und Kennenlernen unabhängig von Sprache, Kultur und Herkunft sollte über die Schule gefördert werden „und darf nicht am Einzelengagement der Lehrer hängen bleiben.“

„Dass es in Klassen mit einheitlicher Kultur ruhiger zugeht, ist ein weit verbreiteter Irrtum.“, erzählt Hanser. Denn Herkunft oder Kultur eines Menschen ist nur ein kleiner Teil seiner Persönlichkeit, die sich in sozialem Agieren, Gruppenbildung und Konfliktverhalten auswirken.

Probleme beginnen nicht immer im Klassenzimmer.

Hanser: „Familien mit Migrationshintergrund erleben sehr früh schon Stigmatisierungen und extreme Bewertungen. Hier kommen schnell Vorurteile ans Tageslicht.“ Mangelnde Sprachkenntnisse werden oft als Widerstand interpretiert – die konkreten Umstände und Gründe werden aber selten hinterfragt. „Hier bieten wir so genannte HelferInnenkonferenzen in Zusammenarbeit mit Jugendamt, Schule, therapeutischen Personen, etc., an. Ziel ist es auf die jeweilige Situation einzugehen. Bei solchen Gesprächen kommen alle Beteiligten zusammen und reden offen über das Thema. Die Bereitschaft, seitens der Erziehungsberechtigten, erlebe ich als sehr groß.“, erzählt Hanser. Vor allem Elternvereine sollten stärker in vernetzte Arbeit eingebunden werden: „Möglichkeiten der Mediation zwischen Eltern, Schule und Kindern wäre da ein wichtiger Beitrag zur Prävention, gerade bei der Konfliktbewältigung.“ Eine stärkere Elterngemeinschaft würde die Zusammenarbeit zwischen Eltern, Lehrern und Schülern unterstützen. „Und hier geht es nicht um oberflächliche Akzeptanz sondern um die Auseinandersetzung mit der Kultur anderer Menschen.“

„Es gibt nach wie vor einen Aufholbedarf zur Förderung der Chancengleichheit von Kindern mit Migrationshintergrund.“, erzählt Hanser. „Es gäbe ein sehr großes Potential an Kindern, die ein viel höheres Niveau erreichen könnten, wenn sie dort und da Unterstützung bekämen.“, erzählt Hanser. Nach wie vor ist es für viele Eltern schwierig, Zugang zu wichtigen Infos über Förderungen und Unterstützung zu bekommen. Sie brauchen eine Orientierungshilfe, weil vielen der Zugang erschwert wird. „Fälschlicher Weise wird ihnen dann unterstellt, sie würden sich nicht dafür interessieren – das entspricht aber nicht meiner Erfahrung.“, so Hanser.

Es reicht, sich gegenseitig einen Schritt entgegenzukommen und genauer hinszusehen, oft wird dann einiges verständlicher.