Kleines Mädchen, dass trotzig die Faust erhebt

Brauchen Kinder Grenzen?

Eine Standardaussage in der Erziehung lautet: „Kinder brauchen Grenzen“, bekannt auch durch Jan Uwe Rogges gleichnamigen Ratgeber. Doch ist dieser Erziehungsstandard noch zeitgemäß und in welchem Rahmen ist er sinnvoll? Elisabeth Waibel-Krammer ist Sozialarbeiterin und Familienberaterin in der Familienberatungsstelle Knittelfeld: „In unseren Gesprächen ist das ein häufiges Thema. Eltern wollen heutzutage den Kindern möglichst viel Freiraum lassen und sind sich unsicher, wie sie das richtig machen.“

Doch trotz des Freiraumes sind gut gesetzte Grenzen wichtig. In der Beratung wird der Ansatz verfolgt, dass man zuallererst einen Weg finden muss, der zu einem selbst passt. Dazu Waibel-Krammer: „Die Erziehung muss für die Eltern stimmig sein. Sie müssen so vorgehen, dass sie sich wohl fühlen – nur dann kommt es auch bei den Kindern authentisch an.“

Grundsätzlich sei Grenzen zu setzen nach wie vor enorm wichtig. Die Kinder suchen innerhalb dieser Rahmen ihre Orientierung und laut Waibel-Krammer findet Beziehung auch immer an der Grenze statt. „Wenn Kinder immer alles selbst entscheiden dürfen, spüren sie uns nicht! Das brauchen sie aber, um sich selbst und die Beziehungen zu spüren und um sich zu entwickeln.“

Natürlich ändern sich Grenzen im Laufe der Zeit. Es wird immer Situationen geben, die Ausnahmen sind oder auch neue Lebensbedingungen, die Veränderungen herbeiführen. „Wichtig ist dabei, berechenbar und verlässlich zu bleiben. Heutzutage sind Eltern oft sehr belastet und damit überfordert, zu Regeln zu stehen und sie durchzusetzen. Aber wenn man immer umfällt, nehmen einen die Kinder bald nicht mehr ernst.“ Was Sanktionen betrifft, wenn Grenzen überschritten werden, so plädiert Waibel-Krammer auf logische Folgen aus dem Geschehenen. Wer also etwa zu spät nachhause kommt, darf am nächsten Tag nicht fortgehen. „Klarheit ist immer das Wichtigste – nicht Strenge.“

Wer sich mehr Sicherheit im Umgang mit den Kindern wünscht, ist mit seinen Fragen bei einer der zahlreichen Familienberatungsstellen in Österreich gut aufgehoben.