weinendes Kind im Kindersitz, Auto

Bockiges Kind

Der Begriff „bockig“ drückt Verhaltensweisen der Verweigerung, des Nein-Sagens, des Abblockens aus. Gibt es ein Alter, in dem Kinder besonders bockig sind? Kann man als Eltern etwas dagegen tun? Welche Erziehungsmaßnahmen sollte man am besten ergreifen? Mag. Emmi Ott, Ehe-, Familien- und Lebensberaterin, tätig in einer Beratungsstelle in Purkersdorf und in Wien 10 gibt dazu ein paar Anregungen zum Weiterdenken.

Es gibt gewisse Phasen in der Entwicklung des Kindes,  die schwieriger sind als andere  und somit für das Kind selbst als auch für die Umgebung eine große Herausforderung darstellen. Das  sogenannte „Trotzalter“ ist zwischen zwei und drei. In diesem Alter wird das Kind sich seiner selbst immer mehr bewusst und entdeckt seinen eigenen Willen. Es versucht, diesen in die Tat umzusetzen und erkennt, dass es Einfluss geltend machen kann. Dies führt dann oft für alle Beteiligten dazu, die einfachsten Dinge des Alltags zu nervaufreibenden, zermürbenden Machtkämpfen zu machen.

Im Alter von sechs Jahren durchlebt das Kind die Sechsjahreskrise. Körperlich, sozial, intellektuell und emotional ist eine Neuorientierung gefragt, nicht ohne Grund fällt auch der Schuleintritt in diese Phase. Viele Kinder sind ob der vielen Veränderungen verunsichert,  „bockige“ Reaktionen können hier als Folge von Überkompensation der Unsicherheit beziehungsweise als Hilferuf „Versuche mich zu verstehen“ oder „Gib mir Sicherheit“ vermehrt auftreten.

Die vielleicht herausforderndste Phase für beide Seiten, Eltern und Kinder, ist die Pubertät. Pubertierende versuchen ihren eigenen Weg zu finden, mit sich und der Welt zu Recht zu kommen. Sie hinterfragen  die Werthaltungen der Eltern und der Gesellschaft. Sie haben den berechtigten Anspruch, ernst und in ihrer Veränderung wahrgenommen zu werden.  Das Ausloten und zum Teil bewusste Überschreiten von  Grenzen, das Zurückziehen, die Konfrontation gehören dazu.

Als Eltern sollte man dem Kind Orientierung vorgeben. Die Autorität ist heutzutage nicht mehr selbstverständlich. Sie gründet nicht mehr auf der elterlichen Position, sondern auf "Echt"heit und Persönlichkeit. Umso wichtiger ist es, als Elternteil an seiner  Glaubwürdigkeit  zu arbeiten und die Verantwortung  für die Prozesse in der Familie zu übernehmen. Man sollte stets bereit sein, Dinge zu erklären und zu seinen Entscheidungen zu stehen. „Kinder wissen oft worauf sie Lust haben, aber nicht, was sie brauchen.“ Als Eltern darf man durchaus sagen „Du hast keine Lust, ich verstehe das. Du musst auch keine Lust haben. Ich habe eigentlich auch keine große Lust, aber wenn wir es gemeinsam erledigen, geht es schneller.“ Durch diese Aussage merkt das Kind „Ich bin trotzdem ok, nichts an mir ist falsch“. Es ist auch wichtig, als Eltern persönliche Bedürfnisse auszudrücken und dem Kind auf diese Art natürliche Grenzen zu setzen. 

Spätestens wenn man glaubt, allmählich den Kontakt mit dem Kind zu verlieren und die Distanz immer größer wird, sollte man eine Beratung in Betracht ziehen. Durch das Gespräch mit jemandem von außen können sich neue Perspektiven eröffnen, eingefahrene Verhaltensmuster durchbrochen und so neue Wege beschritten werden. Vor allem sollte man nicht erst auf die extreme Krise warten, bevor man eine Beratung in Anspruch nimmt. Es zeugt von Stärke, sich möglichst in den Anfängen einer Krise Hilfe zu holen. Umso größer ist die Chance, daraus gestärkt wieder aufzustehen. Bestenfalls verbessert sich dadurch das Familienklima, das Kind fühlt sich als Person wahr- und ernstgenommen und hat immer weniger Gründe bockig zu sein.