Mädchen mit blauen Haaren
Mädchen mit blauen Haaren

Blaue Haare, Piercings, schräge Kleidung – mein Kind dreht durch!

Oft kommen Eltern zur Beratung zu Carina Griesbaum, Psychotherapeutin in Ausbildung und Familienberaterin bei Ananas, und beklagen sich darüber, ihr Kind nicht mehr zu erkennen. Es würde sich sonderbar anziehen, die Haare bunt färben wollen, sogar über Tattoos oder Piercings nachdenken. Dies können sogar so weit gehen, dass Mädchen meinen, sie möchten ein Junge sein, dass sie also sogar mit ihrer Geschlechtsidentität ringen. Besonders häufig sei dies in der Pubertät der Fall. „Das ist eine krisenhafte, stürmische Zeit, in der sich für den jungen Menschen alles neu ordnet, ja sogar das Gehirn neu sortiert. Die Frage ,Wer bin ich eigentlich?´ steht im Zentrum – es wird probiert, Grenzen werden ausgelotet.“ Dies sei für die Eltern eine große Herausforderung. Sie werden mit ihren eigenen Vorstellungen und Werten konfrontiert und müssen oftmals erkennen, dass ihr Nachwuchs anders ist, als sie sich das erwartet hätten. „Das Wichtigste ist in dieser Phase Verständnis für die Situation und auch Empathie. Seien Sie neugierig. Hinterfragen Sie, warum plötzlich ungewohnte Handlungen oder Typveränderungen wichtig sind. Es bleibt allerdings essentiell, auch Grenzen zu setzen, mit den Kindern klar zu besprechen, was geht und was eben nicht.“

Die Eltern seien auch gefordert, ihre tradierten Vorstellungen neu zu überdenken und loslassen zu lernen. „Die Eltern-Kind-Beziehung formiert sich in dieser Lebensphase neu. Es geht dabei auch um Vertrauen und Zutrauen. Da die Jugendlichen die Autorität der Älteren in dieser Zeit schwer annehmen können, kann es zu schwierigen, konfliktreichen Auseinandersetzungen kommen.“ 

Wichtig sei, den Raum für Gespräche zu schaffen, mit viel Fingerspitzengefühl und Toleranz zu agieren. „Versuchen Sie, praktisch an die Dinge heranzugehen und für sich als Eltern die eigene Toleranzgrenze zu hinterfragen. Wichtig ist abzuwägen, wann und womit man mit welchen Themen mit dem Kind in den Konflikt geht. Ob sich das Kind die Haare nun letztlich blau färbt ... es gibt wahrscheinlich wichtigere Themen in der Pubertät mit dem Kind abzuhandeln wie etwa Schule, Berufsfindung, Strukturierung der Persönlichkeit, Identitätsfindung, Erfahrung in außerfamiliären Strukturen, Orientierung an Gleichaltrigen“, empfiehlt die Beraterin.

Wenn tatsächlich Themen wie Geschlechtsidentität aufkommen sollten, könne man sich an eine spezialisierte Beratungsstelle wenden.

Für alle weiteren Fragen, die während der Pubertät der Kinder auftreten können, wenden Sie sich gerne an eine der zahlreichen österreichischen Beratungsstellen zu kostenfreien Gesprächen. Verwenden Sie dafür gerne unsere Suchfunktion: Damit finden Sie eine passende Stelle in Ihrer Nähe.