Frau auf Berg
Frau auf Berg

Bin ich perfekt genug?

In unserer Gesellschaft wird scheinbar verlangt, das Beste aus sich herauszuholen – Selbstoptimierung ist ein vielzitiertes Schlagwort geworden. Bettina Zehetner, Beraterin beim Verein Frauen* beraten Frauen*, hat sich mit diesem Thema vielfach auseinandergesetzt und ist auch in Beratungsgesprächen immer wieder damit konfrontiert: „Menschen sind sehr verführbar durch Anerkennung und setzten sich daher ständigem Wettbewerb aus.“ Der Körper sei hier etwa ein häufiges Werkzeug. „Entdecken Sie, wieviel Lust es bereitet, den Fetisch Fitness zu boykottieren. Getriebenheit durch Erfolgsstreben – oftmals will man die eigene Begrenztheit nicht anerkennen.“

Um aus diesem Hamsterrad herauszutreten und unterscheiden zu lernen, was einen von außen steuert und was man wirklich selbst will, sei es nötig, innezuhalten. Folgende Fragen könne man sich stellen: Was ist mir wirklich wichtig? Wie will ich mein Leben führen?

Zehetner: „Man muss sich trauen, sich selbst zu stellen um langfristig in die Selbstbestimmung zu kommen und aus dem momentanen Handlungsdruck auszusteigen.“ Auch wenn Wünsche ans Leben momentan unrealistisch scheinen, so können sie dennoch Wegweiser dafür sein, was man eigentlich wirklich sein und erreichen möchte.

„Überlegen Sie auch, wie Sie die Ansprüche an sich selbst herunterschrauben könnten. Welche Tätigkeiten und Anstrengungen Sie sein lassen könnten“, empfiehlt die Beraterin für erste Schritte in ein entspannteres, glücklicheres Leben.

Meist sind Menschen dann ängstlich, Anerkennung zu verlieren, wenn sie sich nicht mehr so sehr belasten. „Das kann man sehr gut in Gesprächsgruppen bearbeiten, wo man miteinander erkennt, dass man auch bei scheinbar selbstverständlichen Dingen wie Hausarbeit und Kindererziehung Enormes leistet und Wertschätzung verdient.“

Termine für Empowerment- und Selbsterfahrungsgruppen findet man etwa auf der Website von Frauen* beraten Frauen*. Zahlreiche weitere Beraterinnen und Berater stehen Ihnen bei den österreichischen Familienberatungsstellen zur Verfügung, um mit einem Profi dieses Thema zu reflektieren. Machen Sie sich kostenfrei einen Termin aus.

Auch Bettina Zehetners neues Buch könnte Inputs liefern: „Reparaturprojekt Mann Erholungsgebiet Frau. Feministische psychosoziale Beratung bei Beziehungskonflikten, Gewalterfahrung, Trennung und im Umgang mit Arbeit, Geld und Körper“ erschienen im Diametric Verlag. Weitere Infos unter:   https://homepage.univie.ac.at/bettina.zehetner/downloads/Woran_erkenne_ich_fem_Beratung.pdf

sowie https://www.frauenberatenfrauen.at/rezensionen.html