Mahnung und Geldscheine

Bin ich kaufsüchtig?

Julia Deutsch-Erlach, Bereichskoordinatorin der KOKO Beratungsstellen in Salzburg, erklärt: „Nicht jede/r, die/der gerne einkauft, ist kaufsüchtig. Gerade zu Beginn einer Kaufsucht ist es oft schwierig, normales von problematischem Kaufverhalten zu unterscheiden. Der Definition zufolge gehört Kaufsucht zur Gruppe der Zwangsstörungen und beschreibt ein „zwanghaftes Kaufen von Waren“, die letztlich oft gar nicht ausgepackt werden. Ziel ist nicht der Besitz der Sache selbst, sondern die Befreiung vom Drang der Kaufhandlung.“

Hohe Schulden bis hin zum Privatkonkurs, Partnerschaftsprobleme und Schwierigkeiten am Arbeitsplatz können die Folge dieser Verhaltensstörung sein. „Erkrankte werden nicht selten kriminell, um ihre Sucht aufrechterhalten zu können.“ Einen Grund für die Entwicklung dieses Suchtverhaltens sieht die Beraterin darin, dass „viele Süchtige über einen geringen Selbstwert verfügen und hoffen, durch den Kauf Anerkennung und Wertschätzung bei anderen Menschen zu erhalten.“ Vermehrtes Onlinekaufen wird in den letzten Jahren ebenfalls als mögliche Ursache für dieses Problem vermutet.

„Das Kaufen selbst löst kurze Glücksgefühle aus, gefolgt von Scham- und Schuldgefühlen.“ Dadurch kann ein Teufelskreis entstehen: Der Drang nach Anerkennung und Bestätigung bzw. negative Gefühle wie Ärger, Stress und Einsamkeit verführen zum Kaufen und können durch den Erwerb erfolgreich verdrängt werden. Nach kurzer Zeit folgen jedoch Schuldgefühle und Depressionen, welche wiederum mit Konsum betäubt werden.

Laut einer Studie der Arbeiterkammer von 2017 sind in Österreich bis zu 11% der Bevölkerung kaufsüchtig, quer durch alle Einkommens- und Bildungsschichten. Bei mehr als der Hälfte der Betroffenen handelt es sich um (vor allem jüngere) Frauen. Geschlechtsunterschiede werden in der Art des Konsumguts beobachtet: Während Frauen bevorzugt Kosmetik, Schuhe, Kleidung, Schmuck, Lebensmittel, Bücher und Haushaltswaren erwerben, neigen Männer eher dazu, Sport- und Technikgeräte, Autozubehör und Antiquitäten einzukaufen.

„Ziel einer Behandlung von Kaufsucht sollte sein, das eigene Kaufverhalten wieder selbst kontrollieren zu können. Voraussetzung dafür ist, die Ursachen der Sucht zu beseitigen, Konfliktlösestrategien zu erlernen und das eigene Selbstwertgefühl zu stärken“, so die Expertin.

In vielen Fällen bleibt Kaufsucht lange Zeit unbemerkt. Wer kaufsüchtig ist, schafft es oft nicht, aus eigener Kraft davon loszukommen. Viele Abhängige leiden zusätzlich unter anderen Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen, anderen Abhängigkeiten oder Persönlichkeitsstörungen. Deutsch-Erlach empfiehlt Menschen, die sich gefährdet fühlen, professionelle Hilfe in einer Beratungsstelle aufzusuchen. Je früher Hilfe in Anspruch genommen wird, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, der Kaufspirale zu entkommen.