Paar Streit

Ist meine Partnerin/mein Partner beziehungsunfähig?

Was heißt es überhaupt, beziehungsunfähig zu sein? Gibt es ein allgemeingültiges Muster oder ist das etwas „Hausgemachtes“? Eines vorweg: Relevant ist nur, dass man Hilfe holt, wenn der Leidensdruck groß wird.

„Der ist ja beziehungsunfähig …“ Ein Ausdruck, den man nur allzuoft zu hören bekommt, wenn sich ein Paar nicht so gut versteht. Der Grund ist oft, dass die Partnerin oder der Partner sich zurückziehen, Distanz suchen und Gesprächen aus dem Weg gehen. Kornelia Rainer-Schröder, Pädagogin, Psychotherapeutin, Mediatorin und Leiterin des Informations- und Beratungszentrums Bruck an der Leitha: „Beziehungsunfähigkeit gibt es eigentlich nur im klinischen Bereich, also etwa bei Menschen mit Borderline-Syndrom. Allgemein wird dieser Begriff schnell einmal verwendet und charakterisiert bestimmte Verhaltensweisen in einer Beziehung.“

Prinzipiell könne man zwei Gruppen von Menschen unterscheiden: Einmal jene, die eine sehr enge Eltern-Kind-Beziehung erlebt und eine harmonische Kindheit hatten. Dann gibt es aber auch solche, die traumatische Erlebnisse hatten wie etwa eine frühe Scheidung der Eltern, laufend Streit oder auch Missbrauch. „Selbstverständlich tun sich zweitere schwerer, in einer Beziehung Vertrauen zu fassen. Angst spielt hier eine ganz große Rolle.“ Oft sind solche Menschen auch eifersüchtig, fast besitzergreifend – suchen zwar einerseits stark Nähe, können sie auf der anderen Seite aber nicht wirklich zulassen. Diese Ambivalenz äußere sich laut Rainer-Schröder auch in einer Art von Hass gegen sich selbst, die sich dann oft in einer Hass-Liebe zum Partner spiegelt.

Aber auch jene, bei denen in der Kindheit augenscheinlich alles in Ordnung war, können unter bestimmten negativen Rahmenbedingungen schwierige Partner werden. Dazu Rainer-Schröder: „Viele Menschen reagieren bei Stress, Krankheit, Streit oder sonstigen Herausforderungen mit Egoismus, Rückzug und mangelnder Kompromissbereitschaft in der Beziehung. Das ist natürlich Typ- oder Charaktersache und individuell sehr unterschiedlich.“ Die erste Hilfe ist hier: Gespräche führen – mit dem Ziel, die wahren Bedürfnisse des jeweiligen Partners herauszufinden. Wenn auch das nicht klappt, und der Leidensdruck groß genug ist, kann auch eine Beratungsstelle hilfreich zur Seite stehen.

„Mit dem Vorschlag `einmal eine Beratung’ aufzusuchen, lassen sich die meisten Menschen ködern. Da ist oft der Ausdruck wichtig – denn das Wort Psychotherapie wird nach wie vor von vielen negativ aufgenommen.“, so Rainer-Schröder. Wichtig sei nur, der Partnerin oder dem Partner keinesfalls die Eigendiagnose „Beziehungsunfähigkeit“ unter die Nase zu reiben: „Bleiben Sie hier bei der Ich-Botschaft `Mir geht es nicht gut in unserer Partnerschaft …’. Die meisten Partner sind dann bereit, aktiv etwas zu unternehmen.“ Hat man sich dann einmal dazu aufgerafft, eine Beratungsstelle aufzusuchen, sind oft sehr schnell Erfolge sichtbar.