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Zwei junge Männer küssen eine junge Frau auf die Wangen.

Beziehungsform Mingles: Wie lebt man/frau das?

Um das Jahr 2000 begann laut Sexualwissenschaftlern die sogenannte sexuelle Revolution: Tradierte Beziehungsmuster brechen auf, es gibt viel mehr als Single-Dasein und Ehe – die Zeit des Experimentierens hat begonnen.

In der Generation der 20-30jährigen und auch etwas darüber spricht man jetzt häufig von sogenannten Mingle-Beziehungen oder Mixed Singles. Was das ist, versucht Univ.-Lekt. Mag. Johannes Wahala, Präsident der österreichischen Gesellschaft für Sexualforschung und Leiter der von der Beratungsstellen Courage Wien, Graz und Innsbruck, zu erklären: „Grundsätzlich lebt der Mingle mit seinem Gegenüber vor allem im Hier und Jetzt, ohne Zukunftsorientierung, ohne zu viel Erwartungen an den anderen und soweit es geht mit emotionaler Freiheit.“ Den Mingle schlechthin gäbe es jedoch nicht – wie auch andere Beziehungsformen kann man das Mingle-Dasein nicht starr definieren. Ob Treue eine Rolle spielt oder Liebe, das sei von Fall zu Fall verschieden. Das Besondere am Mingledasein sei wohl, dass jeder einen eigenständigen Freundeskreis braucht und nicht nur von der Beziehung abhängig ist, damit er sich wohlfühlen kann.

„Ein rein sexuelle Beziehung sehe ich darin allerdings nicht“, so Wahala. Es sei schon eine freundschaftliche Verbundenheit da, allerdings mit einem Funken mehr Selbstbestimmung, als in der klassischen Partnerschaft. Doch der springende Punkt: Was ist die klassische Partnerschaft überhaupt heutzutage? Durch die neue ökonomische Unabhängigkeit und die Vielfalt an Möglichkeiten, gibt es kein vordefiniertes Modell mehr. „Damit Beziehungen funktionieren – egal in welcher Form – muss man seine Bedürfnisse kommunizieren. Es geht um die Verhandlungsmoral“, so der Sexual- und Beziehungswissenschaftler. „Je mehr Möglichkeiten es gibt, umso schwieriger wird es, sich zu orientieren.“ Das sei die Herausforderung. Und Selbstverantwortung sei Thema Nummer 1: Realistisch hinschauen und erkennen, wann der Zeitpunkt da ist, wo der jeweilige Partner die eigenen Wünsche nicht mehr erfüllen kann oder will.

Wer damit alleine nicht zurechtkommt, wendet sich am besten an eine der Familienberatungsstellen und lässt sich helfen. Denn oft klammert man sich an ein Beziehungsmodell, in dem man nicht glücklich werden kann.