Frau ist traurig
Frau ist traurig

Beziehung kaputt – ich fühle mich schuldig

Geht eine Beziehung in die Brüche, hinterlässt das bei den ehemaligen Partner/innen oftmals das Gefühl, etwas falsch gemacht zu haben. „Wir sind alle märchenverseucht! In uns schlummert das Bild der ewigen Liebe und wir sehnen uns nach der Partnerin, dem Partner fürs Leben – das ist ein Mythos“, sagt Mag. Gudrun Posch-Berger, Ehe-, Familien- und Lebensberaterin im Ehe- und Familienzentrum Bregenz. Wenn das dann nicht so klappt, wie man sich das ausgemalt habe, suche man häufig die Schuld bei sich selbst. Die Beraterin weiß, dass dies verschiedene Ursachen haben kann: „Diese Schuldzuweisung hat oft mit der Dynamik der beendeten Partnerschaft zu tun – dass man etwa immer schuld war, wenn etwas „schief“ gelaufen oder vorgefallen ist. Andererseits hängt es auch sehr davon ab, wie es mit dem eigenen Selbstwert bestellt ist. Wie stehe ich zu mir selber – wie bin ich mit mir selber verbunden?“ 

Der wesentliche Schritt sei, das zu erkennen und daran zu arbeiten. Grundsätzlich würden viele Neo-Singles auch zu rasch wieder auf Partnersuche gehen oder sich in eine neue Beziehung stürzen. „Nehmen Sie sich Zeit für die Trennung! Es braucht Trauerarbeit, nachdem eine Partnerschaft zerbrochen ist. Man durchlebt dabei verschiedene Phasen. Wichtig ist, dass das Selbstwertgefühl wiederaufgebaut wird, dass man die oder den anderen innerlich wirklich freigegeben und losgelassen hat.“ 

Oft würde man im Nachhinein Vieles auch in positiverem Lichte sehen. Posch-Berger rät zu einer eigens handschriftlich angefertigten Beziehungsbiographie, die man schreiben kann oder auch künstlerisch anfertigen kann – etwa mit Zeichnungen. „Das kann bei der Aufarbeitung der Beziehung helfen und zum eigenen Verstehen beitragen.“ Aufschlussreich könne auch das Gespräch mit einem befreundeten Paar sein: „Nicht unbedingt die beste Freundin, die würde zu sehr Partei ergreifen. Freunde sehen oft Paar-Dynamiken, die man selbst übersehen hat – das erweitert das Bewusstsein und objektiviert ein stückweit.“

Braucht man darüber hinaus einen Profi, mit dem man das Beenden der Beziehung besprechen kann, so bietet sich eine der österreichischen Familienberatungsstellen an, bei der Sie einen kostenfreien Termin vereinbaren können. Den Ex-Partner sollte man laut Posch-Berger allerdings erst dann mitnehmen, wenn bereits genügend Distanz da ist.