Ein Monatskalender mit vielen bunten Pins als Termine.

Ob Fußball, Ballett, Englisch oder Gitarre – viele Freizeitangebote sollen Kindern Spaß machen und ihren Horizont erweitern. In Freifächern, unverbindlichen Übungen und Trainings werden sie spielerisch gefördert. Viele Eltern schätzen das breite Angebot und es entsteht mitunter ein straffes Freizeitprogramm. Gilt hier: Je mehr, desto besser?

„Wenn einem Kind keine Zeit mehr bleibt, seine Welt selbstständig zu erkunden oder einfach nur zur Ruhe zu kommen, dann ist es zu viel des Guten“, erklärt Sabine Mair-Fellner. Sie ist Beraterin in der Familienberatungsstelle Balance in Gmunden und weiß „Es ist wesentlich für ihre Entwicklung, dass Kinder für sich sind und sich ungezwungen selbst beschäftigen können. Dabei darf ihnen ruhig auch mal langweilig sein“, so die Beraterin.

Ob ein Kind Förderung braucht hängt in erster Linie davon ab, wie es aufwächst: „Das Umfeld, die Familie, die Schule oder der Kindergarten und Freunde sind ausschlaggebend. Geschwister etwa können eine Spielgruppe ersetzen, und ein Garten die Bewegungsförderung“, erklärt Sabine Mair-Fellner. „Förderung bedeutet primär, den Horizont zu erweitern. Der Kindergarten und die Schule sind dabei zunächst ausreichend. Die Kinder reden untereinander und bekommen mit, was es zu tun gibt. Vereine stellen sich in Schule vor und geben Impulse.“

Schulalltag und Kindergarten können ein Kind durchaus auslasten. Wenn es darüber hinaus keine fördernden Aktivitäten machen möchte, ist das vollkommen okay. Druck oder Zwang wären kontraproduktiv, so die Beraterin. „Wenn der Leistungsanspruch von Eltern zu groß ist kommt es zu Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern. Viele Eltern kommen in die Beratungsstelle, weil die Kinder in der Schule nicht funktionieren. Ich hinterfrage dann ihre Vorstellungen von Leistung, die meist in der eigenen Geschichte liegen.“

Wenn das Kind etwas Neues ausprobieren möchte, ist ein Schnuppertermin zunächst sinnvoll, etwa mit einem Freund gemeinsam. Möchte es nach anfänglicher Begeisterung aufhören, weil es nicht das richtige ist, sollte man das zugestehen.

Die Expertin weiß aus Erfahrung: „Hat ein Kind ein passendes Freizeitangebot für sich entdeckt, so sollte man es darin motivieren. Haben Kinder dennoch keine Lust, etwa zum Fußball zu gehen oder für den Gitarreunterricht zu üben, so dürfen Pausen sein. „Bei längeren Durststrecken sollte man aber das altersadäquate Gespräch mit dem Kind suchen“, so die Beraterin abschließend. Zum Thema informieren und unterstützen auch die Beraterinnen und Berater der österreichischen Familienberatungsstellen.