Rollstuhlfahrer am Meer

Belaste ich mit meiner körperlichen Einschränkung?

Karl-Heinz Matl, diplomierter Ehe-, Familien- und Lebensberater vonder Beratungsstelle der Diözese Linz – BEZIEHUNGLEBEN.AT plädiert im Gespräch für gesellschaftliche Anerkennung und echte Integration von Menschen mit Einschränkungen jeglicher Art: „Es wäre sehr hilfreich für Betroffene, wenn die defizitäre Sichtweise verändert würde. Wenn bauliche Veränderungen im Sinne der Barrierefreiheit als Erleichterung für alle Menschen gesehen werden könnten. So etwa nicht nur für Menschen im Rollstuhl, sondern auch für den Transport von Kinderwägen. Dieses Signal wäre wichtig.“ Menschen, die körperlich eingeschränkt sind, seien häufig damit konfrontiert, sich als Belastung für ihre Umwelt zu empfinden. Sie hätten oft nicht den Mut, um Hilfe zu bitten. Dazu der Experte: „Das Mind-Set muss sein: Ich bin der Gestalter meines Lebens und ich kann zwar nicht alles, was andere können, finde aber für mich Wege, damit bestmöglich umzugehen.“

Der Familie und dem Freundeskreis müsse vor allem positiv begegnet werden. Dafür brauche es viel Offenheit: „Man darf sich selbst nicht als Opfer sehen. Man muss seine Grenzen erkennen, akzeptieren und Vertrauen haben. Und darüber dann auch sprechen – lernen, seine Bedenken zu äußern.“ Mit der Partnerin/dem Partner könnten beispielsweise Visionen und Szenarien entwickelt werden, die das Leben trotz der Einschränkungen lebenswert machen. Sie/er könne versuchen mitzudenken und sich in die Lage des anderen zu versetzen – alternative schöne Dinge aufzeigen. Der Freundeskreis, mit dem man nichts oder nicht mehr alles mitmachen kann, darf von den Erlebnissen erzählen. „Bitten Sie darum, dass man Sie miteinbezieht und betonen Sie, dass Sie sich über Erzählungen freuen! Das nimmt die Hemmschwelle“, so Matl. „Die Frage nach dem Warum wird keine Betroffenen weiterbringen oder Erleichterung verschaffen! Rudi, bei dem es durch eine Rückenmarksoperation zu einer Querschnittslähmung gekommen ist, hat mir seine Weisheit verraten: Seit es mir gelungen ist, das zu sehen was mir mit meinen Freunden möglich ist und wie ich mein Leben gestalten kann, konnte ich meinen Blick von dem abwenden was mir durch meine Einschränkung verwehrt bleibt!" 

Wenn es um eine im Laufe des Lebens anstehende Einschränkung geht, wie etwa eine Amputation, sei es wichtig, seine Ängste und Befürchtungen mit der Familie zu teilen und sich am besten auch einen guten Coach als Begleiter/in zu suchen. Das können einerseits behandelnde Ärzt/innen sein, andererseits Berater/innen aus einer Familienberatungsstelle, um in einem geschützten Rahmen auch einmal Tränen fließen zu lassen. Wenn Kinder beteiligt sind, sei es wichtig, sie von Anfang an miteinzubeziehen. „Trauern Sie gemeinsam, erklären Sie den Prozess und bitten Sie um Unterstützung“, so der Berater. Kinder sollten auch zornig sein dürfen und sagen dürfen, wenn ihnen etwas zu viel wird. „Sie müssen aber verstehen, welche riesige Aufgabe es ist, die neue Situation anzunehmen und zu akzeptieren.“

Wenn Sie selbst oder Angehörige von einer körperlichen Einschränkung betroffen sind oder eine Veränderung ansteht, wenden Sie sich gerne zu einem kostenlosen Gespräch in einer der österreichischen Familienberatungsstellen.