Enkelin küsst Oma auf die Wange

"Bei Oma darf ich das."

Oma und Opa sind immer häufiger auch für die Betreuung ihrer Enkelkinder zuständig und tun dies meist auch gerne. Aber nicht immer sind sich Eltern und Großeltern in Erziehungsfragen einig.

„Je jünger die Kinder, umso wichtiger ist es Regeln aufzustellen, die überall gelten und ernst genommen werden.“, erklärt Christine Kügerl, Dipl. Familienberaterin am Institut für Familienberatung und Psychotherapie des Kärntner Caritas Verbandes. Wie viel und welche Süßigkeiten dürfen gegessen werden? Wie lange und welche Filme dürfen Kinder sehen? Darunter fällt auch der Jugendschutz, das Verhalten im Straßenverkehr aber auch Alltägliches wie regelmäßige Essenszeiten, Schlafen gehen, Hausaufgaben oder Konsequenz bei Medikamenten oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Großeltern neigen dazu, die Enkel ein wenig zu verwöhnen. Wichtig ist es, grundsätzliche Regeln abzusprechen und konstant umzusetzen. Wenn die Kinder über ein Wochenende bei den Großeltern bleiben, können Kleinigkeiten im Alltag anders gestaltet werden. Oft nehmen Kinder gelernte Regeln auch mit. Hier gilt es Feingefühl zu bewahren, sich danach zu richten und sinnvolle Gewohnheiten nicht durch Aussagen wie „bei uns brauchst du das nicht“ zu zerstören.

Großeltern sind eine Bereicherung für die Kinder. „Im Gegensatz zu früher wohnen Familien nicht mehr in einem großen Haus beisammen. Trotzdem fühlen sich Großeltern genauso für ihre Enkel verantwortlich. Daraus ergibt sich ein individuelles Beziehungsnetz, in dem Großeltern meist eine Sonderstellung einnehmen und mit bestimmten Aktivitäten verbunden werden.“ Zum Beispiel wird mit Opa gebastelt und Oma liest vor. Die Zeit mit Großeltern kann die Elternbeziehung zwar ergänzen, aber nie ersetzen.

Kinder können dennoch sehr gut zwischen dem Leben bei den Großeltern und dem bei Eltern unterscheiden. Auch wenn anfangs Beschwerden kommen: „Aber bei der Oma dürfen wir das.“, sollten sich Eltern nicht aus der Ruhe bringen lassen. Am Besten ist es, den Kindern zu erklären, dass es Unterschiede geben kann. Dies trägt zur Flexibilität der Kinder bei und später lernen sie, die Unterschiede zu schätzen. Auch hier gilt, dass die Sitten im jeweiligen Haushalt gleich bleiben und sich die Gewohnheiten nicht abrupt ändern.

Nicht selten beschließen Eltern, die Erziehung ihrer Kinder anders zu gestalten als ihre eigene. „Wenn sie beispielsweise in ihrer Kindheit dazu gezwungen worden sind, immer aufzuessen und das den eigenen Kindern nicht antun wollen.“, erzählt Kügerl. Hier sollten Eltern offen sagen, dass sie diese Methoden nicht gutheißen und die Bitte aussprechen, bei den Enkeln nicht genauso zu handeln.

Manchmal kommt es vor, dass Großeltern ihren Kindern vorschreiben möchten, wie etwas zu funktionieren hat. „Oft geht es dabei um das „Sauber-Werden“ des Kindes. Gerade dieses sehr persönliche Thema sollte im engsten Familienkreis von Mama und Papa bleiben.“

Stellt sich heraus, dass bei Großeltern Erziehungsmethoden angewendet werden, die verboten sind – sei es auch „nur“ ein Klaps auf den Po – so dürfen Eltern nicht warten und hoffen, dass sich die Sache von selbst legt. Hier hilft professionelle Beratung Großeltern beizubringen, wann sie überfordert sind, wann sie etwas ärgert und wie sie damit umgehen. Aber auch im umgekehrten Fall ist es unumgänglich sich an Beratungsstellen zu wenden.

Das schöne ist, dass Großeltern meistens Bezugspersonen über lange Zeit sind. „Später sind es auch oft die Großeltern, bei denen kleine Geheimnisse besonders gut aufgehoben sind und eine Art ´Verschwiegenheitsklausel’ herrscht.“, erzählt Kügerl aus eigener Erfahrung. Für Großeltern sind Enkel ein Geschenk, eine Möglichkeit, die Welt mit neuen Augen zu entdecken. Sie ermöglichen gleichzeitig den Eltern immer wieder Freiräume und es tut Oma und Opa gut, wenn sie dafür ein "Danke" hören.