Piktogramm Rollstuhlfahrer auf Metallschalter

Barrierefrei leben?

Menschen mit Behinderung werden trotz gesetzlicher Vorgaben und Entwicklungen in Österreich oft noch nicht gleich behandelt. Seien es bauliche Barrieren oder soziale Akzeptanz – viele Hürden, die Betroffene und deren Angehörige überwinden müssen.

Die Diagnose, dass das ungeborene Kind mit einer Behinderung auf die Welt kommen wird, ist für die Eltern zunächst ein Schock. In dieser ersten Phase – von der Schwangerschaft bis zur Geburt – kann es für Eltern sehr hilfreich sein, sich von Beratungsstellen oder Elterninitiativen Hilfe zu holen und sich mit der Thematik auseinanderzusetzen. „Wichtig ist, dass die Eltern das Kind von Anfang an so akzeptieren, wie es ist. Nur so kann es mit Rückhalt und Selbstsicherheit aufwachsen.“, erklärt Dipl. Päd. Hubert Egger, Leiter der Familienberatungsstelle Initiative Soziale Integration Graz. Dadurch legen Eltern die Basis dafür, dass sich das Kind auch später im sozialen Umfeld gut zurechtfindet. Egger: „Außerdem ist es wichtig, mit dem Kind am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen, um soziales Lernen zu ermöglichen.“, denn bereits im Kindergarten oder am Spielplatz werden erste soziale Kontakte geknüpft – ein Lernprozess, der später wichtig sein kann.

Viele betroffene Eltern beschäftigt auch, welche Schule für das Kind geeignet ist. Egger: „Auch hier können sich Eltern an unsere oder andere Beratungsstellen mit dem gleichen Schwerpunkt wenden. Von der Schulwahl bis zum Anmeldeprozess können Eltern und Kinder unterstützt und begleitet werden. Es gibt Integrationsklassen, wo Kinder mit Behinderung gemeinsam mit Kindern ohne Behinderung zur Schule gehen.“ Solchen Klassen stehen zusätzliche Lehrer zur Verfügung. Egger: „Wünschenswert wäre es, dass sich betroffene Eltern keine Gedanken und Sorgen über den bevorstehenden Schulbesuch ihres Kindes machen müssen. Damit die kleinen Schulanfänger nicht mit dem Stigma der Integration behaftet ins Schulleben einsteigen. Das Schöne an dieser Schulform ist, dass die Integration von Betroffenen in den gewöhnlichen Schulalltag eine Bereicherung für beide Seiten ist.“ Für Kinder, die damit aufwachsen ist der Umgang mit behinderten Menschen nichts Ungewöhnliches. Vor allem in leistungsorientierten Klassen lernen sie, dass gegenseitige Wertschätzung und Hilfe für das Leben oft wichtiger sind als ein makelloses Zeugnis. Spätere Berührungsängste werden so von Anfang an vermieden. Gesellschaftliche Bewusstseinsbildung und Akzeptanz – von Klein auf gelebt.

Spätestens bei der Berufswahl oder beim Studium werden Betroffene noch mit Ungleichbehandlung konfrontiert. Egger: „Hier gibt es Projekte, die es Menschen mit Behinderung ermöglichen am Berufsleben und am Studium teilzunehmen.“ Assistent/innen helfen dort, wo eine Einschränkung vorhanden ist – denn vieles, was normalerweise so nebenbei erledigt wird, ist für Menschen mit Behinderung schwer zu bewältigen: z.B. Anziehen, auf die Toilette gehen, Einkaufen, Arztbesuche und vieles mehr.

Betroffene werden gesellschaftlich in vielen Bereichen noch nicht als gleichwertig akzeptiert und respektiert. „In der Beratungsstelle werden Schwierigkeiten im Zusammenhang mit öffentlichen Verkehrsmitteln und Gebäuden des Öfteren an mich herangetragen.“, so Egger: „Es wäre wichtig, eine bewusste, öffentliche Debatte über dieses Thema zu führen, Lösungen zu erarbeiten und letztendlich auch umzusetzen.“

Vor allem aber tragen Erwachsene die Verantwortung, ihren Kindern als Vorbild zu zeigen, wie man Menschen, begegnet – egal ob es um Behinderung, Nationalität, Ethnie, Geschlecht oder Religion geht.