Kinder unterschiedlicher Herkunft

Auslandsadoption – Was erwartet Adoptivwerber/innen und welche Gefühle begleiten sie auf diesem Weg?

Viele Promi-Paare wie Angelina Jolie und Brad Pitt, Madonna, Sandra Bullock adoptieren Kinder aus verschiedenen Teilen der Erde. „Das hat eine enorme Vorbildwirkung, einem Kind aus der dritten Welt etwas Gutes tun und bringt zudem viel Prestige“, erklärt Karin Reschner, DSA, Sozialarbeiterin und Beraterin für Adoptivwerber/innen bei Peter PAN – Pflege und Adoption. Auch in Österreich werden Kinder gerne aus dem Ausland adoptiert. Oft haben potentielle Eltern einen persönlichen Bezug zu einem bestimmten Land. „Zunächst stellt sich die Frage, ob aus diesem Land Kinder überhaupt adoptiert werden können. Zur Zeit hat Österreich mit sechs Ländern Abkommen, das sind unter anderem Tschechien, Bulgarien, die Philippinen, Thailand und Indien“, so die Expertin.

Oft erschweren Vorurteile gegenüber der ethnischen Herkunft der Kinder die Vermittlung im eigenen Land. Roma-Kinder finden in Tschechien und Bulgarien seltener Familien, die sie bei sich aufnehmen. „Eine entscheidende Frage ist immer, ob die Heranwachsenden in ihrer Familie und im weiteren sozialen Umfeld Respekt und Gleichberechtigung erfahren werden. Dies gilt auch für dunkelhäutige Kinder. Wie kann ich mein Kind vor Fremdenfeindlichkeit schützen?“, betont die Beraterin. 

Wenn man die ersten medizinischen und psychologischen Berichte aus dem Heimatland liest, sei absolute Ehrlichkeit betreffend eigener Gefühle nötig: Wie geht es mir mit all diesen Informationen? Andernfalls könne der langfristige Bindungsaufbau gefährdet sein, wenn trotz anfänglicher Skepsis an der Vermittlung festgehalten wird. Die angehenden Adoptiveltern werden auch wiederholt angeregt, medizinische und therapeutische Unterstützung für das neue Familienmitglied in Anspruch zu nehmen. Immer wieder stellt sich heraus, dass die Bezeichnung „special need“ eine in unserem Land korrigierbare oder therapeutisch behandelbare Beeinträchtigung ist, im Herkunftsland aber eine massive Einschränkung der Lebensqualität bedeutet. 

Auch psychische Verletzungen sind ein vorrangiges Thema, das es zu bedenken gilt. Denn kaum ein Kind verlässt sein Heimatland vor dem zweiten Geburtstag und alle bringen ihre oft jahrelangen Erfahrungen aus Heimen oder Pflegefamilien in die neue Familie mit, zeigt Reschner auf.

Bei der Anbahnungsphase im Heimatland gibt es ebenfalls häufig Schwierigkeiten. Passiert dies zu schnell, kann es für die Kinder traumatisierend sein. Inzwischen stellen manche Herkunftsländer den zukünftigen Adoptivfamilien eigene Appartements am Gelände des Heimes zur Verfügung, sodass ein schonungsvoller Übergang vom Vertrauten zum Neuen in den ersten gemeinsamen Wochen erfolgen kann. Dort erfahren die neuen Bezugspersonen, wie das Leben des Kindes bisher war, welche Erfahrungen es prägte, wie Beziehungen gelebt bzw. ausgetauscht wurden und mit welchen Umstellungen und Veränderungen für das Kind zu rechnen ist. Je besser sich die annehmenden Eltern mit den Lebensumständen vertraut machen, desto sicherer fühlen sie sich in ihrer neuen Elternrolle. 

Allen Interessierten stehen für weitere Informationen die Familienberatungstellen in ganz Österreich kostenfrei zur Verfügung.