Aufnahme von jugendlichen MigrantInnen – viel Geduld und Empathie ist gefragt

Aufnahme von jugendlichen MigrantInnen – viel Geduld und Empathie ist gefragt

Die Entwicklung ist mehr als zufriedenstellend: Trotz aller Fremdenfeindlichkeit und Hass MigrantInnen gegenüber, finden sich immer mehr Familien oder auch alleinstehende Personen, die Patenschaften für junge Flüchtlinge übernehmen. Sie tun das mit der Idee, diesen jungen Menschen einen Neustart zu ermöglichen und ihnen nach all dem Schrecklichen, das sie erlebt haben, Ruhe und Geborgenheit zu schenken. „Ich unterstütze diese Initiativen voll und ganz und grundsätzlich ist es sehr zu befürworten, junge MigrantInnen bei sich aufzunehmen. Man sollte sich nur gut darauf vorbereiten“, so Kerin Piereder, Lebens- und Sozialberaterin beim Kompetenz- und Integrationszentrum Ladybird. Es könne anders kommen als man denkt … „Einstellungen und kulturell bedingte Sichtweisen können von unseren so differieren, dass dies zu teils sogar unüberbrückbaren Differenzen führen kann.“ 

Als Beispiel nennt die Beraterin die oftmals erwartete Dankbarkeit den Pateneltern gegenüber. Diese wäre oftmals nicht vorhanden – möglicherweise eher das Gegenteil … „Es besteht häufig großes Misstrauen. Warum machen die Pateneltern das? Warum drängen sie sich mir auf?“ Einstellungen, die man mit mitteleuropäischem Hintergrund nicht verstehen könne und die zu großen Enttäuschungen führen, wenn man nicht darauf vorbereitet ist. Aber auch Kleinigkeiten, ja Alltagsthemen können aufgrund des völlig andersartigen Denkens zu Spannungen führen – sei es die Ausbildung, Einkäufe, Kleidung …

Um diesen potentiellen Problemen möglichst gut vorzubeugen, rät Piereder zu einer intensiven Vorbereitung. „Am besten führt man Gespräche mit Familien, die bereits Flüchtlingsjugendliche aufgenommen haben. Weiters kann man an Workshops teilnehmen, die kulturelle Unterschiede aufzeigen und erklären, wie man damit am besten umgeht.“ Tut man dies nicht, sei Frust und Enttäuschung nahezu vorprogrammiert.   

In den Beratungsgeprächen muss die Expertin jedoch auch oft darauf hinweisen, dass nicht jedes seitens der Pateneltern unerwünschte Verhalten auf die andersartige Kultur zurückzuführen ist: „Es sind letztendlich ganz normale Jugendliche. Und in der Pubertät geht nun mal so einiges rund. Wenn man dies dann auch noch mit dem Trauma, das diese jungen Menschen möglicherweise erlitten haben, in Verbindung bringt, wird völlig klar, dass es sehr viel Geduld und Empathie im Umgang braucht.“

Wer darüber nachdenkt, MigrantInnen aufzunehmen, ist mit seinen Fragen bei jeder Beratungsstelle mit dem Themenschwerpunkt Migration in ganz Österreich gerne gesehen.