Angst vor Migranten

Angst vor Migranten

Durch die täglichen Schreckensmeldungen diverser Terroranschlägen in Europa ist auch die Angst vor Migranten gestiegen. Manche Menschen sehen eine Verbindung zwischen der Flüchtlingskrise und der Terrorgefahr. Aber auch Medien und soziale Netzwerke schüren diese Furcht mit diversen Hetzkampagnen. Andere sorgen sich, dass die Neuankömmlinge ihnen Jobs und Sozialleistungen wegnehmen. „In vielen Fällen sind es die eigenen Existenzängste, die jetzt auf Migranten verschoben werden“, sagt Bernadette Breyner, Koordinatorin Lerntraining, Trainerin und Beraterin im NÖ-Hilfswerk Baden. Besonders sozialschwache Gruppen fühlen sich in ihrer Existenz bedroht. „Denn meistens steht die Sorge um Kürzung der staatlichen Zahlungen im Vordergrund, für die die Zuwanderer verantwortlich sein könnten.“ Reiner Faktenaustausch sei leider nicht immer möglich.

Darum sei es wichtig, Ängste zuzulassen und zu hinterfragen, weiß die Beraterin. So kann effizient etwas dagegen unternommen werden – sei es berufliche Kenntnisse zu vertiefen um seinen Job zu sichern oder eine Ausbildung zu beginnen bzw. abzuschließen. Hilfreich ist auch, zu hinterfragen, ob der Zustrom von Flüchtlingen das eigene Leben wirklich verändert hat, ob Leistungen gestrichen oder tatsächlich gekürzt wurden. „In den meisten Fällen ist niemand unmittelbar betroffen.“

Auch fremde Sprache und Habitus können zu großen Verunsicherungen führen. Als Beispiel: In manchen Kulturkreisen ist es üblich, dass Männer abends im Freien zusammenstehen – dies kann wiederum vorbeigehende Frauen irritieren. Speziell in muslimischen Ländern gelten Frauen ohne männliche Begleitung oft als Freiwild. Umfassende Aufklärung ist also unumgänglich. „Lerne ich Gebräuche und Sitten aus anderen Kulturkreisen kennen, gibt das Sicherheit und kann Ängste nehmen“, erklärt die Expertin.

Viele Flüchtlinge kommen aus traumatisierten Gegenden, können oft die Sprache nicht und sind selbst sehr beunruhigt, wie es weitergehen wird. „Auch sie sind verunsichert und diese kollektive Angst schwingt mit“, erklärt Breyner. Da braucht es Zeit, Geduld und behutsames Vorgehen, bis sich Neuankömmlinge orientieren können. „Einigen Migranten, die nach Österreich kommen, ist sehr wohl bewusst, dass es hier andere Gepflogenheiten gibt. Aber auch diese müssen erst erlernt werden.“

Für Fragen oder umfassende Informationen stehen in ganz Österreich Beratungsstellen kostenfrei zur Verfügung.