Mann springt über Klippe vor brennendem Himmel

Angst vor der Zukunft

Wenn die Tage kürzer werden und insbesondere die Tage zwischen den Feiertagen näher kommen, kann das vielen Menschen auf die Psyche drücken. Wobei es nicht immer sofort eindeutig ist, woher die Unmutsstimmung kommt. Paula Wintereder, diplomierte Partner-, Ehe-, Familien- und Lebensberaterin bei der Diözese Linz, macht in unserem Gespräch klar, dass Ängste völlig normale Gefühle sind: „Sie können einen beschleichen, von hinten kommen oder einfach völlig überraschend da sein – aber sobald ich akzeptiere, dass Angst menschlich ist, ist sie schon nicht mehr so groß.“

Manchmal sei es auch nicht greifbar, woher es kommt, dass man sich plötzlich unsicher und nicht mehr so gut aufgehoben fühlt. „Oft ist es eine Mischung aus Realismus und Irrealismus und hat meistens auch mit Lebensübergangssituationen zu tun. Unberechtigte Angst gibt es jedenfalls nie – denn von irgendwoher kommt dieses Gefühl nun mal.“ Das kann beispielsweise in Lebensphasen wie jenen sein, in der die Kinder gerade erst außer Haus sind, man das Älterwerden spürt oder auch bei einem Berufswechsel. Daher sei die erste Phase der Angstbewältigung auch immer jene, zu reflektieren, woher sie eigentlich kommt. Dazu Wintereder: „Das kann man auch im Gespräch mit einer Freundin tun. Es muss ein vertrauter Mensch sein, bei dem man sich öffnen kann.“ Man kann sich dabei der Angst stellen und versuchen, Fragen wie diese zu beantworten: Was bewegt mich? Wo zeigt sich meine Angst? Was könnte sich verändern, wenn ich nicht ängstlich wäre?

Mutiger sei man aber laut der Beraterin häufiger bei jemandem, den man nicht kennt. Daher empfiehlt Wintereder, eine Beratungsstelle aufzusuchen. „Auch wir Berater/innen versuchen zuerst, der Angst auf die Spur zu kommen. Dabei reflektieren wir gemeinsam die jeweilige Lebenssituation.“ Wenn dann klarer wird, was die Unsicherheiten bedingt, sei der nächste Weg, nach einem Beitrag zu suchen, den man leisten kann, um die Situation zu verbessern. Wintereder: „Es braucht das aktive Tun, um den Blick wieder auf das Gute und Funktionierende wenden zu können – um erneut Vertrauen, Hoffnung und Zuversicht gewinnen zu können. Und es ist ja immer auch eine bewusste Entscheidung, wohin ich meinen Blick wende.“ Die Expertin ergänzt weiters, dass Angst ja auch immer eine Chance sei – eine Chance genauer hinzuschauen und zu erkennen, was man in Zukunft braucht, um zufriedener zu sein.

Wer sich über seine innere Unzufriedenheit, Unsicherheiten und Ängste austauschen möchte, ist in einer der zahlreichen Familienberatungsstellen Österreichs herzlich willkommen und zu einem kostenfreien Gespräch eingeladen.