Alles dreht sich nur mehr um den Körper

Alles dreht sich nur mehr um den Körper

Möglichst schlank, schon an der Grenze zu dünn, stählerne Muskeln, getuned und straff… es gibt viele Menschen, die sich sehr um ihren Körper kümmern und versuchen, den Idealen möglichst gut zu entsprechen, die von Gesellschaft und Medien vorgegeben werden. Viel Zeit wird damit verbracht, dieses Ziel zu erreichen. Wenn man in einer Partnerschaft lebt oder Familie hat, führt das möglicherweise zu Unzufriedenheit seitens derjenigen, mit denen man lebt. Und dafür gibt es zahlreiche Gründe…

Ilse Miksch leitet die Familienberatungsstelle SOWELU in Fürstenfeld und ist Diplom-Sozialarbeiterin und Lebens- und Sozialberaterin. Wenn jemand in eine Beratung kommt und ein Problem im Verhalten des Partners oder der Partnerin sieht, hört sie besonders gut hin. „Die Grundfrage ist immer: Wer hat das Problem wirklich, warum und womit genau? Habe eigentlich nur ich ein Problem und mein Partner fühlt sich in dem was er tut perfekt wohl? Was genau stört mich an diesem Köperbewusstsein?“ Die Expertin meint, dass oftmals sehr subtile Botschaften oder Ängste dahinter versteckt seien, wenn jemand das Verhalten des Partners/ der Partnerin kritisiert. „Nur so am Rande: Es gibt durchaus so einige Männer, die nicht wollen, dass ihre Frauen abnehmen, damit sie nicht für andere attraktiv werden...“

Bei dem Trend zur Köperfixierung sieht Miksch auch die starke Rolle der Medien  – kein Medium könne man mehr aufschlagen, in dem nicht Essen in irgendeiner Form thematisiert würde. „Manche steigen dann eben auf und andere nicht. Als Partner/in muss man immer das Wohlgefühl sehen und akzeptieren können, wenn dieses beim Partner/ bei der Partnerin durch die Beschäftigung mit dem Körper entsteht.“ Ein Problem könne es dann werden, wenn anderes vernachlässigt wird, oder die Familie tatsächlich in einen Leidensdruck gerät. „Selbst wenn das Problem manifest wird, kann man niemanden zwingen, zu uns zu einem Gespräch zu kommen. Obwohl dies natürlich sinnvoll wäre.“ 

Die Berater/innen versuchen die Partner/innen der Betroffenen, die keine Beratungsnotwendigkeit sehen, dazu zu bringen, ein wohlwollendes Gespräch zu führen. „Dabei muss man in der „Ich“-Form bleiben und kein „immer“ und „nur“ verwenden. Das Signal muss sein: Es ist schwer für mich, wie du dich gerade verhältst. Ich kann das so nicht aushalten.“ Diese Gespräche seien aber oft sehr schwierig, da sich die Betroffenen auf ihrer Straße befinden und das, was sie tun ja gut finden. Die Expertin rät ihren Klient/innen dann oft auch dazu, ein eigenes Hobby zu beginnen, weg zu gehen von der Fixierung auf die Straße des anderen – so könne sich das Problem mit der Zeit von selbst lösen.

Am Wichtigsten sei jedoch die Botschaft:„Du bist so richtig wie du bist!“

Wer unter Körperfixierung eines Familienmitgliedes leidet, ist herzlich eingeladen, eine Familienberatungsstelle in Österreich zu besuchen und in einem Erstgespräch die Basis des Problems zu ergründen.