Lachender Vater mit Sohn

Alleinerziehung- wie viel Zeit mit anderem Elternteil

Alleinerziehenden stellt sich oft die Frage, wie viel Zeit sollte mein Kind mit dem ehemaligen Partner verbringen, damit es sich richtig entwickelt. Ob die Wochenendregelung genug ist, oder ob man andere Lösungen anstreben sollte, erklärt Dipl. Pädagogin Hedwig Hartmann von der Familienberatungsstelle BABSI Freistadt.

„Wenn die Beziehung zwischen Mutter und Vater aufrecht ist, ist es ratsam das Kind halb bei der Mutter und halb beim Vater leben zu lassen, sodass es den Alltag mit beiden Eltern erfahren kann.  Oftmals ist dies jedoch nicht möglich. Dann ist es meistens die Mutter, die während der Woche das Kind versorgt und der Vater, der für die Wochenendgestaltung zuständig ist. Solch eine Regelung hat oft zur Folge, dass sich der Vater nicht wirklich zuständig für das Kind fühlt. Vielmehr genießt er die schönen Seiten des Zusammenseins, statt dem Alltag mit all seinen Höhen und Tiefen, während die Mutter dauernd auf die Pflichten (zum Beispiel Hausaufgaben) drängen muss. Doch nicht jedes Kind hat den Luxus den Vater auch nur am Wochenende zu sehen. In vielen Fällen sind die Treffen unregelmäßig, beispielsweise 1 mal pro Monat bis nur an den Festtagen. Das führt zur Unsicherheit des Kindes. Es stellt sich die Frage: „wie wichtig bin ich dem Vater eigentlich, wenn er so selten kommt?“

Aus den Erfahrungen der Familienberatungsstelle Freistadt geht hervor, dass Mütter sich sichtlich bemühen, den Kontakt Vater-Kind zu fördern, oftmals ohne Kooperation seitens des Vaters. Natürlich bleibt dies dem Kind nicht verborgen. Der Vater hält seine Versprechen nicht, das Kind ist enttäuscht und je älter es wird, desto mehr distanziert es sich vom Vater. Oft brechen Jugendliche den Kontakt von sich aus ganz ab nach dem Motto: „lieber gar nichts oder nur ein Packerl zum Geburtstag als ein Vater, der nicht meinen Erwartungen entspricht“. Was schade ist, denn der Vater spielt immer eine wichtige Rolle in der Entwicklung. Für Burschen übernimmt er die Vorbildfunktion, sie versuchen ihn zu kopieren, schauen sich ab, wie sich ein Mann in verschiedenen Situationen zu verhalten hat. Auch für Mädchen spielt der Vater eine nicht zu unterschätzende Rolle: er ist der erste Mann in ihrem Leben. Je nachdem wie viel Liebe und Zuneigung er ihnen schenkt, desto mehr fühlen sie sich dieser Liebe wert und als Frauen in ihrem Selbstwertgefühl gestärkt. Bei Mädchen, die ohne Vater aufwachsen, fallen zwei Verhaltensmuster auf: entweder sie reagieren sehr schlecht auf Männer (auf männliche Schulkameraden, männliche Lehrer) oder ganz im Gegenteil, das heißt sie suchen aktiv die Nähe zu Männern. Letztendlich übernimmt jedes Elternteil eine andere Funktion im Leben des Kindes, doch nur die Anwesenheit beider Figuren und ihre intakte Beziehung zum Kind garantieren eine gute Entwicklung des letzteren.