Alleinerziehung- Beruf oder Fortbildung trotz Kind

Alleinerziehende ringen oft lange mit der Entscheidung in den Beruf zurückzukehren oder eine Aus- oder Fortbildung anzutreten. Kein Wunder, schließlich setzen sie sich damit einer Zwei- (Beruf oder Ausbildung und Kind) oder gar Dreifachbelastung (Beruf und Aus-oder Fortbildung und Kind) aus. Warum es gut ist, sich trotz Kind für Beruf/Ausbildung zu entscheiden, weiß Mag. Ursula Schildmair,  Leitung Beratungszentrum "Alleinerziehend" in Linz.

 

„Die Ausbildung ist immer ein zusätzlicher Stressfaktor. Wenn die  AlleinerzieherIN sich intensiv dem Lernen widmen muss, leidet das Kind kurzfristig darunter. Langfristig gesehen ist aber die Aus- oder Weiterbildung des Erziehers kein Nachteil.“ So denkt das Kind nämlich: „Meine Mutter ist alleinerziehend und doch macht sie eine Ausbildung“, was zugleich die Vorbildfunktion der Mutter stärkt. Im Gegensatz zu: „wegen mir kann meine Mutter keine Ausbildung machen“, denn das fördert aufkommende Schuldgefühle. Die Ausbildung schafft berufliche Perspektiven, die für die wirtschaftliche Situation der Einelternfamilie von großem Vorteil sind. Es geht jedoch nicht nur um die finanzielle Situation. „Alleinerziehende haben oft mit Überforderung, Kommunikations- sowie Erziehungsproblemen zu kämpfen, was ihr Selbstwertgefühl erheblich schwächt. Das wiederum belastet die Beziehung Mutter-Kind.“ Durch eine Aus- oder Weiterbildung oder die Berufstätigkeit tun sie etwas für sich. Das Erzielen von persönlichen Erfolgen freut und macht im Endeffekt auch psychisch stabiler. Vielen Alleinerziehern ist das klar, und doch entscheiden sie sich gegen die Ausbildung. Ein häufiger Grund dafür ist das mangelhafte Betreuungsangebot. Oft haben Alleinerzieher dieses Problem bereits bei kurzem Verlassen des Hauses. Längerfristige Betreuungsmöglichkeiten (Kinderkrippe, Kindergarten) zu suchen bedeutet ebenso viel Aufwand. Das staatliche Betreuungsangebot müsste flexibler werden um den wachsenden Bedürfnissen der berufstätigen oder sich in Ausbildung befindenden  Alleinerziehenden zu entsprechen. „Ein rund um die Uhr Betreuungsangebot würde den Alleinerziehern das Leben erheblich erleichtern“. Bis dahin müssen bezahlte Kinderbetreuungseinrichtungen die Lücke füllen. Hier gilt: mehr Bildung bedeutet mehr Geld, was mehr private, das heisst flexible Kinderbetreuung ermöglicht. Doch auch wohlhabenden Eltern fällt es nicht immer leicht, das Kind einem Babysitter zu überlassen. Sie fürchten nämlich, es sei bei Fremden nicht so gut aufgehoben wie bei der eigenen Familie. Eine unbegründete Sorge, denn „Bezugspersonen für das Kind müssen nicht unbedingt aus der Familie stammen“. Die Aus- oder Fortbildung oder gar der Wiedereinstieg in den Beruf sollte also keinesfalls daran scheitern, dass zum Beispiel die Großmutter nicht helfen kann. Was vielmehr zählt ist die Vertrauensbeziehung zum Betreuer. Das Kind muss Kontinuität erfahren. Solange es jahrelang dieselbe Aufsichtsperson, die ein gutes Verhältnis zu ihm pflegt, ist, braucht sich die AlleinerzieherIn keine Vorwürfe zu machen, dass sie einer Beschäftigung nachgeht, anstatt rund um die Uhr für das Kind da zu sein. Vorwürfe  schwächen nämlich das besagte Selbstwertgefühl, was sich sowohl auf den Elternteil als auch auf das Kind negativ auswirken kann.