Bub schreit

Aggression bei Kindern

Ein Kind das beißt, schlägt und schimpft ist leider kein seltener Anblick. Welche Aggressions-Typen es gibt, was für Ursachen ihnen zugrunde liegen, und wie man als Eltern oder Erzieher damit umgehen sollte, verrät Mag. Valerie Reich-Rohrwig, klinische- und Gesundheitspsychologin, Zentrum für Beratung und Begleitung des NÖ Hilfswerks, Beratungsstelle Korneuburg.

Man unterscheidet im Wesentlichen drei Arten von aggressivem Verhalten:

Kleinkinder

Diese Verhaltensweisen sind oft die einzige Möglichkeit für Kinder dieses Alters sich gegen unerwünschtes Verhalten ihrer Umwelt zu wehren. Sie können meist noch nicht ausreichend verbalisieren was sie stört. Normalerweise reichen klare Regeln der Eltern, dass hauen, schlagen etc. eben nicht erlaubt ist. Ein "Stopp, so nicht" bzw. aus der Situation herausgehen – Time Out – helfen.

Aggressives Verhalten, das durch Ereignisse ausgelöst wird.

Krisensituationen verändern das Verhalten von Kindern. Manche reagieren etwa mit Rückzug, andere aber mit Aggression gegen ihre Umwelt. Geschwisterliche Eifersucht, Schulbeginn, Umzug, Trennung der Eltern, Tod sind Lebensereignisse, die für Kinder belastend sind und die Verhaltensänderung ist ein Hilferuf, den man nicht ignorieren bzw. als "schlimmes Benehmen" abtun sollte. Die Situation muss sich ändern, damit das aggressive Verhalten in den Hintergrund rückt.

Aggressives Verhalten durch Nachahmung

Der Mensch lernt von Vorbildern. Kinder, die in ihrem nahen Umfeld vornehmlich beobachten, dass Konflikte durch Gewalt und Aggression gelöst werden, kopieren es und setzten ihre Sprache anders ein.

Auch Verhaltensweisen, die aus den Medien (TV, PC Spiele) unlimitiert konsumiert werden dürfen, regen die aggressive Phantasie an. 

Es ist demnach wichtig das eigene Konfliktlösungsverhalten und das der Peer Group zu überdenken, sowie den Medienkonsum altersgerecht zu gestalten.

Kommen Kinder mit aggressivem Verhalten in die Familienberatungsstellen, wird zuerst ein Elterngespräch zur genauen Analyse der Ist-Situation geführt. Die Beraterin konzipiert anschließend (auch meist nach genauer klinischer Diagnostik) ein Beratungskonzept und bietet:

  • Einzelbetreuung
  • soziales Kompetenztraining in der Gruppe
  • manchmal auch Kinderpsychotherapie an

Immer aber wird parallel auch mit den Eltern gearbeitet, da auch zu Hause neue Regeln und Rituale geschaffen werden müssen, damit dem Kind Lösungsvorschläge angeboten werden können, die über körperliche und verbale Gewalt hinausgehen.