Mutter mit Baby

Adoption - wann erzähle ich dem Kind, dass es adoptiert ist

Wurde eine Adoption erfolgreich vollzogen, ist es zwar das Happy End der bürokratischen Mühen, doch erst der Anfang des gemeinsamen Weges der Adoptiveltern und des Kindes. Früher oder später wird das Kind erfahren, dass es adoptiert wurde. „Je früher desto besser“ versichert Fr. Maria Aistleitner, diplom. Sozialarbeiterin, Leitung Service für Adoptiv- und Pflegeeltern in OÖ.

„Es ist enorm wichtig, Adoptivkinder über ihre Herkunft zu informieren. Biografie beginnt nämlich nicht erst mit der Geburt, sondern schon davor.“ Einerseits symbolisiert die Information über die Herkunft die Sicherheit seine Wurzeln zu kennen und andererseits trägt sie zu einem offenen, vertrauensvollen Verhältnis zwischen Adoptivkind und -eltern bei. Je früher und selbstverständlicher man darüber spricht, desto besser wird die Information aufgenommen und ins Leben der Familie integriert.

Adoptiveltern sind oft unsicher, den richtigen Augenblick und die passenden Worte für den Einstieg in dieses Thema zu finden. Es gibt aber viele Anlässe, bei denen sie auf selbstverständliche Weise mit dem Kind über die besondere Form der Entstehung ihrer Familie sprechen können:  Kleinkinder hören z.B. gerne Geschichten über sich und schauen Fotos an. Im Alter von 2-3 Jahren interessieren sie sich dafür, wo kleine Kinder herkommen. An dieses Interesse darf und sollte man anknüpfen indem man dem Kind in kindgerechten Worten seine Geschichte erzählt; dass es im Bauch einer anderen Mama gewachsen ist und wie es Teil dieser Familie geworden ist. Fotos oder Bilderbücher können beim Erzählen hilfreich sein.

Generell ist es äußerst ratsam, schon bei der Vermittlung nach Informationen und Gegenständen aus der Vergangenheit des Kindes zu fragen. Das können sowohl Fotos der leiblichen Mutter, der Verwandtschaft, der Umgebung, als auch ein Spielzeug oder ein Kleidungsstück sein. Diese Dinge bilden nämlich kleine Anker zum Leben vorher. Ein Ritual, den „Ankommenstag“ zu feiern, also den Tag, an dem das Kind den Adoptiveltern übergeben wurde, kann dem Kind von klein auf vermitteln, es wurde erwartet und ist in der Familie willkommen.

Im Alter von ca. 5 Jahren wächst das Interesse an der Herkunft - das Kind fragt, warum die leibliche Mutter es nicht behalten hat. Beim Erklären müssen Adoptiveltern vor allem auf eine positive Haltung für die Situation der leiblichen Mutter/Eltern achten. Wichtiger als die Worte, die Adoptiveltern für die Aufklärung finden, sind die Haltungen mit denen sie über die Wurzeln des Kindes sprechen. Diese Haltungen finden auch ihren Niederschlag in der Identitätsentwicklung des Kindes. Daher muss die Botschaft mit Verständnis seitens der Eltern überbracht werden. Obwohl Ehrlichkeit dem Kind gegenüber wichtig ist, gibt es gewisse Umstände, bei denen Zurückhaltung empfohlen wird: z.B. könnte es der kindlichen Psyche schaden, wenn Vergewaltigung oder Prostitution der Mutter einem Kind erklärt wird.

Unterstützung für Adoptiveltern dabei, wie sie am besten mit ihrem Kind über ihre Herkunft sprechen können, bieten Fachstellen oder spezialisierte Beratungsstellen.

Bereits zu Beginn der Bemühungen um ein Adoptivkind sollte man sich im Klaren darüber sein, dass es niemals das leibliche Kind sein wird und somit auch kein Ersatz dafür ist. Die Phase der Trauer darüber, dass kein eigenes Kind vorhanden ist, sollte vor der Adoption bereits überwunden sein. Das Adoptivkind ist ein Kind mit anderen Wurzeln, einer anderen Familie. Diesen anderen Hintergrund des Kindes müssen die Eltern akzeptieren, denn er wird sie ein Leben lang begleiten. Versäumen Adoptiveltern den günstigen Zeitpunkt, dem Kind von der Adoption zu erzählen oder es entdeckt gar eines Tages selbst die Wahrheit über seine Herkunft, ist es ein tiefer Schlag sowohl für das Kind als auch für das Verhältnis Eltern-Kind. Das aufgedeckte Geheimnis kann die Vertrauensbasis zerstören. Adoptiveltern sollten in diesem Fall ihre Schwächen, Ängste und Unsicherheiten zugeben. Für ein ausführliches, klärendes Gespräch soll ein günstiger Zeitpunkt (ohne sonstige Stressmomente) und ein angenehmer Gesprächsrahmen gewählt werden. Wichtig ist, dass sich das Adoptivkind sicher und geborgen fühlen kann und diese Nachricht nicht zum Zeitpunkt einer Auseinandersetzung oder Wut erfährt.

Wenn man die vielen möglichen Formen einer Familie heute betrachtet, fällt es einem leichter, auch die Adoption als selbstverständlich zu sehen. Fest steht, das Kind hat ein Recht darauf, über seine Herkunft Bescheid zu wissen. Angesichts der heutzutage sehr flexiblen Familienform mit vielen Patchwork-Variationen ist das Adoptivkind nicht wirklich ein Außenseiter, sondern es gibt viele Kinder, die z.B. zwei Väter oder Stiefgeschwister haben.