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Adoptionskinder – Ich suche meine Wurzlen

Das Thema Adoption ist in den Medien wenig präsent und es besteht nach wie vor große Unsicherheit. Das Problem ist vor allem, dass es bei Betroffenen, die möglicherweise erst später davon erfahren, Traumata unterschiedlichster Art auslösen kann. Kerin Piereder, Lebensberaterin im Kompetenzzentrum Ladybird in Feldkirchen, hat schon zahlreiche Klienten betreut, die im fortgeschrittenen Alter erfahren haben, dass sie nicht bei ihren leiblichen Eltern aufgewachsen sind.  „Das löst bei nahezu allen eine Art Schockzustand aus, mit dem jeder individuell umgeht – und wenn nicht sofort, dann irgendwann. Das Thema holt die Betroffenen früher oder später ein und kann nicht verdrängt werden.“ Der Grund, warum Menschen so schwer damit umgehen können ist wohl, dass ein Stück Identität verloren geht. Es stellen sich Fragen wie: Warum hat mir das niemand schon früher gesagt? Wo war ich jetzt die ganze Zeit? Wer sind meine leiblichen Eltern, wie sehen sie aus, wie sind sie?

 „Viele verlieren damit auch das Vertrauen in ihre Zieheltern und beginnen Hassgefühle gegen sie zu entwickeln“, weiß Piereder. Und dann beginnt die Identitätssuche, in der danach geforscht wird, wie die eigenen Wurzeln aussehen. „Das geht teilweise bis ins Detail. Ziehkinder wollen wissen, welche Augenfarbe ihre leiblichen Eltern haben, sie wollen möglichst viel herausfinden. Diese Suche kann ein Leben lang dauern.“ Bis hin zur Manie, die sich daraus entwickelt und ganzen Lebensinhalten, die sich nur mehr nach der Suche orientieren. 

Die Beraterin: „Leider gibt es hier keine Standardregeln und man muss mit Betroffenen sehr sensibel umgehen. Da stecken äußerst individuelle Geschichten dahinter, die mit viel Leid verbunden sein können.“ Wenn man erfährt, dass ein oder beide Elternteile Zieheltern sind, bietet sich ein Gespräch mit einer/m Berater/in in einer Familienberatungsstelle an. Da wird man zuallererst mit der Frage konfrontiert, welche Vor- und Nachteile die Suche nach den leiblichen Eltern überhaupt bringen kann.

Eltern, die Kinder adoptieren, rät Piereder, zu einem geeigneten Zeitpunkt möglichst offen mit dem Thema umzugehen. „Es gibt einige sehr positive Beispiele, wo Zieheltern einen ganz natürlichen Umgang mit dem Thema pflegen und auch der Kontakt zu den leiblichen Eltern einigermaßen gut funktioniert.“