Schwangere mit Mädchen

Adoptiertes Kind – dann kommt unerwartet ein eigenes

In das Zentrum für Ehe- und Familienfragen zu Familienberaterin Dr. Karin Urban kommen immer wieder Frauen, die schwanger geworden sind, obwohl ihnen dies von ärztlicher Seite abgesprochen worden ist: „Wenn der Druck und der „Ich muss schwanger werden“-Stress wegfällt, kann die Entspannung manchmal zu einer Schwangerschaft führen.“ Oftmals habe es auch damit zu tun, dass in der Partnerschaft nach abgeschlossenem Kinderwunsch wieder mehr Zuwendung möglich ist und man wieder zueinander findet. 

Nun ist man aber in einer ganz speziellen Lage, wenn in der Zwischenzeit adoptiert wurde. „In so einer Situation können mehrerlei Probleme auftreten: Zum einen Ungewissheit darüber, ob unbewusste oder sogar bewusste Unterschiede in der Behandlung der beiden Kinder stattfinden werden, andererseits auch mögliche Eifersüchte des adoptierten Kindes.“ Unterschiede im Zugang zu verschiedenen Kindern und das Problem der Eifersucht sind aber überall vorhanden oder möglich und nicht spezifisch bei Adoption, wobei da eine vermeintliche „Begründung“ gefunden werden kann. Hier seien laut Urban ein besonders sensibles Hinschauen und womöglich auch eine gute Vorbereitung auf diese Situation nötig. Der ganze Prozess könnte, wenn gewünscht, begleitet werden. „Mit dem adoptierten Kind, mit dem man bereits eine Beziehung aufgebaut hat, ist ja eine starke Bindung entstanden. Hier können auch gemeinsam mit dem Partner die psychischen Prozesse rund um die Adoption hinterfragt werden.“

Auch das adoptierte Kind muss in so einer Situation im Fokus stehen. Was heißt das für das Kind, dass jetzt noch einmal unerwartet leiblicher Nachwuchs kommt? Noch dazu, wenn das Kind weiß, dass es adoptiert ist. „Wichtig ist es vor allem, mit sämtlichen Themen transparent umzugehen und dem Kind nichts vorzumachen. Es bleibt nun ein Faktum, dass das Kind adoptiert ist. Offenheit hat in einer solchen Situation oberste Priorität.“ Die oben erwähnte Beschäftigung mit Unsicherheit kann zu einer Ressource für das Kind werden.

Oftmals fühlen sich Adoptivkinder wie Kinder 2. Klasse – auch dem müsse man mit einem sensiblen und achtsamen Umgang begegnen - Geborgenheit geben und an der Beziehung arbeiten – im Grunde dieselben Notwendigkeiten wie in jeder Eltern-Kind-Beziehung. 

In dieser speziellen Situation empfiehlt es sich jedenfalls, eine der zahlreichen Familienberatungsstellen aufzusuchen und Rat einzuholen.