traurige Frau unter Ärzten

Zu spät

Eine Schwangerschaft trifft Frauen manchmal unerwartet. Wenn sich die Frau gegen das Kind entscheidet, kann der Schmerz über den Verlust auch erst im Nachhinein spürbar werden.

Wenn eine Schwangerschaft nicht in das derzeitige Lebenskonzept passt, entscheiden sich Frauen oft gegen das Kind. Unzureichende finanzielle Mittel, eine Partnerschaft, die dies nicht zulässt, Ausbildung oder Beruf – die Hintergründe sind vielfältig. In der Situation ist die Entscheidung meist plausibel, doch manchmal kommen im Nachhinein Bedenken auf.

„Leider nehmen sich Frauen häufig nicht ausreichend Zeit, um zu einer Entscheidung zu kommen. Die Abtreibung wird oft überstürzt entschieden ohne vorher alle Für und Wider zu bedenken und so kann es vorkommen, dass Frauen im Nachhinein zweifeln, ob ihre Entscheidung richtig war. Außerdem wissen viel zu wenige Frauen und Paare über die Möglichkeit sich in qualifizierten Beratungsstellen Hilfe und Unterstützung zu holen, bescheid“, bedauert Edeltraud Voill, Leiterin der Beratungsstelle Nanaya.

Sich mit der derzeitigen Lebenssituation ausreichend zu beschäftigen wäre dabei sehr wichtig. Denn je mehr sich eine Frau mit der Problematik beschäftigt und Argumente abwägt, umso geringer ist die Chance, dass sie diese im Nachhinein bereut. Wenn dennoch Zweifel auftreten, so liegt dies meist daran, dass sich die Lebenssituation stetig wandelt. „Nach ein paar Jahren stehen viele Frauen wo ganz anders – abweichende Werte und Wünsche stehen im Vordergrund. Wir versuchen mit den Frauen nachzuvollziehen warum die Entscheidung damals getroffen wurde und aus welchem Grund heute Zweifel bestehen.“, so Voill. Ziel ist es einen Weg zu finden, wie sich die Frau von dem ungeborenen Kind verabschieden und loslassen kann. Im Nachhinein werden die Handlungen und Entscheidungen nachvollzogen und die Folgen daraus eruiert. „Ist dies nicht stimmig, so helfen wir Frauen sich mit der Situation auszusöhnen um innere Zufriedenheit zu finden und nicht ständig in Zweifel zu leben.“

In der Beratungsstelle werden Frauen über längere Zeit in ihrem Trauerprozess begleitet. Auch Beratungen mit dem Partner gemeinsam sind möglich, werden jedoch nicht so häufig in Anspruch genommen. „Männer kommen meist eher, um die Frau zu unterstützen und weniger aus eigener Betroffenheit.“, so Voill. Auch Selbsthilfegruppen bieten die Möglichkeit sich mit anderen Frauen auszutauschen, die den Verlust eines Kindes zu beklagen haben.