Frau telefoniert
Frau telefoniert

Abstand halten und trotzdem in Kontakt bleiben

„Für das psychische und körperliche Wohlbefinden ist es notwendig, dass man soziale Kontakte hat. Jeder Mensch will wahrgenommen und gesehen werden. Das ist ein menschliches Grundbedürfnis“, sagt Franziska Lang-Gurnig, Diplomierte Ehe-, Familien- und Lebensberaterin am Institut für Familienberatung und Psychotherapie der Diözese Graz-Seckau, Beratungsstelle Bad Radkersburg. „Ein nettes Wort, eine nette Geste, zu spüren, dass jemand an mich denkt, das ist einfach wichtig für uns.“

Das derzeitige Kontaktverbot mit allen Personen, die nicht im Haushalt leben, führt dazu, dass man davon wesentlich weniger bekommt als normalerweise. Daher sei es jetzt besonders wichtig, täglich zumindest telefonisch Kontakt zu halten. 

Vor allem all jene, die völlig auf sich gestellt sind und alleine leben, wären jetzt proaktiv gefordert, sich um Gespräche zu bemühen. „Es wäre schön, wenn man im Freundeskreis im Austausch bleibt. Jetzt sollte ja die Zeit dafür sein, auch mal länger plaudern zu können und einander noch besser kennenzulernen – das geht auch am Telefon.“ Wer Zugang zu neuen Technologien wie etwas Videotelefonie hat, kann auch diese nützen: „Jemanden auch zu sehen und via Mimik interagieren zu können, ist besonders fein.“

Wichtig bei diesen Kontakten sei auch, sich gegenseitig zu unterstützen. „Es ist oft schon sehr hilfreich und nimmt Stress, wenn man über die individuellen Probleme in der derzeitigen Situation reden kann. Wenn man nicht immer nur im eignen Saft kocht – oder auch innerhalb der Familie. Inputs von außen sind wichtig“, weiß Lang-Gurnig.

Sollte es eine Hürde sein, sich in Gesprächen Hilfe zu holen rät der Profi daran zu denken, dass wir alle jetzt in einer ähnlichen Situation sind und dass es völlig legitim ist, nicht alles alleine zu schaffen. Man wäre nicht schwach, weil man Zuspruch braucht – die Situation verlange es. „Versuchen Sie, die positiven Seiten der Krise zu sehen und dies miteinander auszutauschen. Nicht gemeinsam sudern und jammern, sondern nach dem Guten suchen“, so das Motto der Beraterin.

Wenn Sie professionellen Austausch möchten, so ist dies kostenfrei in einer österreichischen Familienberatungsstelle möglich – gerne telefonisch oder per Mail. Scheuen Sie sich nicht – rufen Sie an und sprechen Sie sich aus!