Schulmädchen (Teenager) schaut ratlos

Schul- und Ausbildungswahl: Wer entscheidet – Eltern oder Kinder?

Im Zuge des Weges, auf dem Eltern ihre Kinder begleiten, sind eine Vielzahl an Entscheidungen zu treffen. Mit zu den wichtigsten zählen die Wahl des richtigen Bildungsweges und die des Berufes. Oft ist es für Eltern gar nicht so leicht, das richtige Gespür dafür zu entwickeln, wie sie ihre Nachkommen richtig beraten und unterstützen.

„Das Wichtigste für Jugendliche ist, dass sie in der Schulzeit Spaß haben und möglichst viel Positives erleben. Damit ist das beste Fundament für ein erfolgreiches Leben geschaffen.“, bringt Robert Bachinger, diplomierter Sozialarbeiter bei der Jugend-, Sucht und Familienberatungsstelle Waggon in Mödling das Thema rund um Schulwahl auf den Punkt. Prinzipiell sei es wichtig für Eltern, sich dabei immer die persönlichen Motivationen bewusst zu machen: Stehen hier meine eigenen Vorstellungen im Vordergrund oder denke ich wirklich an das Kind, seine Talente und seine ganz besonderen Bedürfnisse? Letztere müssen im Vordergrund stehen. Und die Sprösslinge selbst sollten auch möglichst früh in die Entscheidungen miteingebunden werden. Oft können es auch die besten FreundInnen sein, die Einfluss ausüben. Hier darf man sich als Eltern und somit Erziehungskompetente sehr wohl die Frage stellen, ob der Weg, den die FreundInnen einschlagen, auch für das eigene Kind der richtige ist – und nötigenfalls eingreifen. „Generelle Regeln aufzustellen ist ohnehin schwierig.“, so Bachinger. „Jedes Kind ist individuell: Es kann besonders bockig, aber auch einsichtig sein, talentiert oder weniger begabt. Danach wird sich auch die Entscheidung, wie man handelt, richten müssen."

Prinzipiell hält Bachinger eine frühe Spezialisierung aber für problematisch: „In Zeiten der Informationsflut klären die Jugendlichen immer später für sich, was sie eigentlich machen wollen. Je allgemeiner und breiter die Bildung im jüngeren Alter, umso besser.“

Wenn es um eine mögliche Lehrausbildung geht, hält Bachinger eine möglichst frühe Auseinandersetzung für entscheidend. „Bieten Sie Ihren Kindern an, sich über möglichst viele Berufsbilder zu informieren. Zeigen Sie ihnen, was Sie selber machen, suchen Sie Möglichkeiten im Umfeld, Berufe greifbarer zu machen.“

Studium oder Beruf? Diese Frage stellt sich für alle, die eine Matura absolviert haben. Hier ist laut Bachinger der Zeitpunkt gekommen, wo man den jungen Erwachsenen ihre Autonomie lässt. Sie sollten sich selbst entscheiden und sich auch mit möglichen Konsequenzen ihrer Wahl auseinandersetzen. „Das ist auch der richtige Zeitpunkt, den Ablösungsprozess einzuleiten.“ Hier sei es wiederum wichtig, das richtige Gespür dafür zu entwickeln, wie viel Beratung oder Eingreifen sich die Nachkommen von ihren Eltern erwarten. Wenn die Kinder schon früh in dementsprechende Entscheidungsfindungen eingebunden werden, sollte auch hier die Gesprächsbasis passen.