
Geboren im falschen Körper
TransGender – ein Thema, das in unserer Gesellschaft erfreulicherweise zunehmend Akzeptanz findet und öffentlicher wird. Dennoch herrscht oft noch Unwissen über die unterschiedlichen Begrifflichkeiten. Denn Geschlechtergrenzen zu überschreiten bedeutet nicht gleichzeitig, dem anderen Geschlecht angehören zu wollen.
Transsexualität, Transidentität, Travestie, Drag-Queens – nur einige Begriffe, die eine Gemeinsamkeit haben: den Wunsch, Geschlechtergrenzen zu überschreiten, zusammengefasst als TransGender. Im Gegensatz zu diesem recht allgemeinen Begriff, möchten transidente Personen (vormals als transsexuell bezeichnet), dem anderen körperlichen Geschlecht angehören. Daraus erwächst meist das Bedürfnis nach chirurgischen und hormonellen Behandlungen.
Mag. Johannes Wahala, Leiter der Beartungsstelle Courage, Psychotherapeut, Sexualtherapeut und Pädagoge: „Grundsätzlich kann unter transidenten Personen zwischen zwei Gruppen unterschieden werden.“ Die einen nehmen ihr Empfinden schon im frühen Kindesalter wahr. Die zweite Gruppe bemerkt ihre wahre innere Identität erst in der Pubertät oder später. Im Beratungsalltag beobachtet er, dass „sich die gesellschaftliche Entwicklung unter anderem durch das Alter der Klienten/Klientinnen wiederspiegelt. Waren es vor einigen Jahren noch vorwiegend 30- bis 60-jährige, so kommen heute zunehmend auch schon junge Menschen im Teenager-Alter zu uns.“ Grund dafür: Die starke Tabuisierung in früheren Jahren hat es vielen transidenten Menschen nicht möglich gemacht, ihre wahre, innere Identität zu leben. „Viele davon sind heute verheiratet, haben Kinder und wurden in ihre biologische Rolle gedrängt. Jahrelanges Unterdrücken endete in Depression, Angst, Panik und sogar Suizidgefahr.“, bedauert Wahala. Aber auch viele Jugendliche haben einen starken Leidensweg hinter sich: Oft werden sie in der Schule verspottet, sind Opfer von Diskriminierung und werden sogar in der eigenen Familie zum Außenseiter. Wahala: „Es ist aber schön zu sehen, dass es auch sehr viele junge, selbstbewusste Menschen gibt, für die nur die Transidentität an sich das Thema ist. Sie leben sehr gut damit und müssen glücklicher Weise nicht mit den Auswirkungen sozialer Ablehnung kämpfen.“
Das soziale Umfeld – genau hier liegt die Herausforderung in der Beratung. „Die meisten Jugendlichen öffnen sich bei uns zum ersten Mal. Wir führen zunächst Gespräche mit den Klienten/Klientinnen selbst und begleiten sie über den Prozess des Coming-Out. Besonders wichtig ist es, im nächsten Schritt das Umfeld – Eltern, Schule, Peer-Group, Ehepartner und Kinder – miteinzubeziehen.“, betont Wahala. Dabei wird umfassende Aufklärungsarbeit geleistet, die zu einem tieferen Verständnis von Transidentität führen soll. Ebenso wie der/die Klient/in braucht auch das Umfeld Zeit bis echte Akzeptanz möglich ist. Wahala rät Eltern „in dieser Übergangszeit aber unbedingt das Gespräch aufrecht zu erhalten und zu suchen, auch wenn sie noch mitten im Akzeptanzprozess stecken.“
Fast alle transidenten Personen haben das Bedürfnis nach hormonellen und in weiterer Folge chirurgischen Behandlungen. Die Operation von Frau auf Mann ist jedoch in Österreich ein komplexer Eingriff und risikoreich. Nachdem Krankenkassen Auslandsbehandlungen nicht bezahlen, ziehen viele Betroffene vor, es bei der hormonellen Behandlung zu belassen. Dies hatte bis vor kurzem Konsequenzen, so Wahala: „Denn das Recht, das Geschlecht offiziell in Dokumenten ändern zu lassen, war an eine OP gebunden. Erfreunlicherweise, wurde dieser Operationszwang vor kurzem erlassen.“
„Wie im chinesischen das Ying und das Yang, so hat jeder Mensch in sich einen männlichen und einen weiblichen Anteil. Die Identität eines Menschen ist die individuelle Balance der beiden.“, so Wahala.
Hinweis:
Young*Trans 2010/2011
Psychotherapeutische Gruppe für junge Menschen zwischen 15 und 25 Jahren mit TransGender-Themen
www.courage-beratung.at
